Seit dem öffentlich relevanten Auftauchen eines aufstrebenden EX-KGB Majors in St. Petersburg, versuchte der Tempel gewisse belastende Neigungen und psychologisch bedenkliche Vorfälle aus dem Leben des heutigen russischen Staatsoberhauptes dem Interesse der Umgebung politischer Verantwortungsträger näher zu bringen. Bedauerlicherweise mit verschwindend geringem Erfolg. In der allgemeinen, mehr von Sehnsüchten als von realen Aussichten, getragen Hoffnung und Euphorie, waren Wahrheiten und neue Realitäten nur störend und nicht wirklich geeignet „öffentlich“ gemacht zu werden. In den ersten Dienstjahren der neuen russischen Hoffnung waren entlarvende Fotos mit minderjährigen Kadetten nicht einmal in der üblichen Sensationspresse unterzubringen.

Aber steter Tropfen höhlt den Stein und keine Untat bleibt verborgen vor den verbunden Augen der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Selbst längst vergessen geglaubte Schandtaten scheinen jetzt geeignet, selbst den inzwischen als unantastbar erklärten Herrscher aller Reußen, schrittweise ins Straucheln zu bringen. Der Bericht eines Londoner Untersuchungsgerichtes bringt jetzt teilweise erschütternde und doch so bezeichnete Realitäten ins Interesse der Medien und Öffentlichkeit, dass ein weiteres Verschweigen in politischen Kreisen inzwischen zur Falle werden und auch zur Enttarnung wahrer politischer Ziele in vielen westlichen Staaten führen könnte.

Präsident Wladimir Putin steht laut dem britischen Untersuchungsbericht unter der Federführung des britischen Richters Sir Robert Owen «offenbar» hinter dem Polonium-Mord am Kreml-Gegner Alexander Litwinenko. Die in London vorgelegte Untersuchung beschäftigt sich auch mit den Motiven für die Tat. Ex-Agent Litwinenko hatte wenige Monate vor seinem Tod dem russischen Präsidenten unter anderem vorgeworfen, \*\+\+\+zensiert\+\+\+\* zu sein. So schrieb Litwinenko im Juli 2006 in einem Blog: «Putin ist \*\+\+\+zensiert\+\+\+\*». Zuvor war ein Video aufgetaucht, in dem der russische Präsident einen Buben während eines Pressetermins auf den nackten Bauch küsst.
Litwinenko erwähnte den Vorfall auch in einem Beitrag für eine Nachrichtenagentur tschetschenischer Separatisten. Der 329 Seiten lange britische Untersuchungsbericht zitiert aus diesem: «Putin kniet vor dem Jungen und fragt, wie er heiße. Nikita, antwortet der Knabe. Dann hebt Putin das T-Shirt des wildfremden Jungen und küsst ihn auf dem Bauch. Die Welt ist schockiert. Keiner versteht, wieso Putin so etwas tut.»
Die Erklärung sei «in den Lücken von Putins Lebenslauf» zu finden, behauptete Litwinenko. Unübliche Versetzungen im Laufe seiner Karriere wiesen darauf hin, dass seine früheren Vorgesetzten beim russischen Geheimdienst FSB wussten, «dass Putin ein Pädophiler war». Litwinenko ging noch weiter: Er behauptete in seinem Beitrag, es gäbe Videoaufzeichnungen, die Putin beim Sex mit minderjährigen Jungen zeigten. Nachdem Putin zum FSB-Chef ernannt wurde, habe er alle Akten dazu verschwinden lassen.
Was Litwinenko mit den Vorwürfen erreichen wollte, ist unklar, doch sie waren Teil einer Reihe verbaler Attacken des Ex-FSB-Agenten auf Putin. «Die Feindschaft zwischen Herrn Litwinenko und Präsident Putin hatte zweifellos eine persönliche Dimension», zitierte «The Independent» den leitenden Richter Owen. Es habe mehrere Gründe gegeben, warum der russische Staat mutmasslich den Mord an Litwinenko angeordnet habe.

Für den britischen Richter ist erwiesen, dass die Russen Andrej Lugowoi vormals Agent, mittlerweile Abgeordneter im russischen Parlament und Dmitri Kowtun ihren Landsmann Litwinenko im November 2006 mit radioaktivem Polonium 210 absichtlich vergiftet hatten. Ohne Putins direkten Befehl wäre solch ein Mord im Ausland nicht durchführbar gewesen.
Das Vermögen der beiden wurde jetzt eingefroren, gegen sie ist in Großbritannien Haftbefehl ausgestellt worden. Eine Auslieferung lehnt Russland ab. Moskau werde auf einer solchen Grundlage kein Verfahren gegen Lugowoi und Kowtun eröffnen, sagte der Justizsprecher. Tatsächlich legt der Ermittlungsbericht keine greifbaren Beweise auf den Tisch, sondern stützt sich auf Indizien und Plausibilitäten, welche aber in ähnlich gelagerten Prozessen westlicher Gerichte in der Vergangenheit durchaus geeignet schienen als juristisch verwertbar zu geltenden: Sicher ist, dass Litwinenko in seinem Londoner Exil einen qualvollen, langen Tod starb, nachdem er am 1. November 2006 mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde, dessen Herkunft aus einem russischen (ausschließlich zu militärischen Zwecken genutzten) Reaktor nicht zu leugnen ist.

Frá Arkesh Singh 

22.01.2016 | 208412 Aufrufe