Tugendhaftes, sittliches Handeln entspricht der menschlichen Natur
Zitat von: Jamie
Das ist keine Absicht. Für mein Befinden war meine Frage Themarelevant. Aber da ich eine leichte autistische Ader habe ist es für mich nicht immer einfach, den Regeln und Gesetzen einer normalen Diskussion Folge zu leisten. Das "abdriften2 hat (zumindest bei mir) jedoch System. "Aber du kennst unseren Spruch : Bildung schadet nicht und Wissen ist keinesfalls schmerzhaft!" Sofern man die Erlaubnis und den Zugang zur Wissensvermehrung erhält...Heutzutage gibt es wenige Menschen, die wirklich interessiert sind, der Wahrheit und Erkenntnis auf den grund zu gehen. Ich zähle mich zu denen die es ernstlich versuchen. Dank dem Tempel wurde mir vieles ermöglicht, ich bin gewiss nicht undankbar. Aber es ist so wie ich sage: Nur wenige sind es, die von ihren Illusionen erlöst werden wollen Glauben ums des Glaubens Willen ist noch immer Maxime der meisten Menschen. Deswegen sind bereits meine detaillierten Fragen in einem anderen Licht zu betrachten-ich frage nicht um der Unterhaltung willen, auch nicht um zu unterhalten. Einzig Zu widerlegen, zu erforschen und zu ERKENNEN, darum geht es mir. Weder bin ich besonders gebildet noch von hohem Rang. Dies ist mir bewusst und ich verleugne nichts. Von Tehmen abzuweichen ist mir jedoch fremd, versuche nur den Dingen ernsthaft auf den Grund zu gehen. Wirkt dies störend verstehe ich das durchaus, es ist aber auch gewollt, Halbwissen führt mich auf falsche Pfade und dies sollte vermieden werden. Bei meinem persönlichem Umfeld würde jeder gebildete Mensch davonlaufen. Ich jedoch kann nicht, bin gebunden. Diese Gespräche im Forum sind das einzige an geistiger Nahrung das für mich möglich ist. Ignoranz und Unwissenheit ist weit verbreitet...und in meinem Lebensumfeld überheblich vorhanden. 😞

 Jamies ehrlicher, offener Beitrag gibt Anlass, einmal etwas genauer über Bildung - bewusste Wissensmehrung - nachzudenken.

Dazu einige philosophische Gedanken:

Jeder geistig gesunde Mensch ist von der Natur mit der Fähigkeit versehen, seine Möglichkeiten im Sinne eines, aus menschlichem Blickwinkel betrachteten,  relativ erfolgreichen Lebens, durch Bildung deutlich zu verbessern. Diese Bildung - Wissensmehrung/Studium ­ - ist aber nicht allein Zweck des Erwerbens großen Wissens, sondern auch der Ausbildung der individuellen Persönlichkeit. Aber das Studium erfordert eine eiserne Energie und die Bereitwilligkeit auch körperliche und geistige Mühen zu ertragen. Man muss einen Willen entwickeln, der das Überwinden von Schwierigkeiten als mehr lebensfördernd erachtet als ein untätiges Genussleben. Man darf sich weder durch Rühmen noch durch Verleumdung, Lob oder Tadel im Geringsten beeinflussen lassen; nur so kommt man allmählich, aber zielorientiert vorwärts. Wer sich auch nur ansatzweise von der Ansicht der Menschen beeinflussen lässt, gerät in die Strömung der Minderwertigkeit.

Wer es zunächst erlernt Bitterkeiten und die Unbilden des Lebens zu tragen, der vermag zweifelslos alles zu vollbringen. Wer es erträgt in Kummer und Not zu leben, der vermag auch in Freude und Lust zu sterben. Die Wissenslehre besteht ausschließlich in der Verbesserung des „Herzens“. So lange dies nicht geschieht, sind nicht allein die Sinnlichkeit und die Gewinnsucht Dinge, welche die Persönlichkeit gefährden, sondern auch das Lesen von profanen Büchern und der zu nahe Kontakt zu Personen, denen die Selbstsucht das einzige Lebensziel ist.

Der Lernende muss sich beständig mit den höchsten Dingen abgeben, nicht umsonst heißt es: „Über die himmlische Vernunft muss man beständig nachdenken. Wer längere Zeit seine Kraft darauf verwandt hat, wird in immer engere Beziehung zu ihr treten. Jeder der dementsprechend handelt, braucht sich nicht vor dem Himmel und den Menschen zu schämen“.

„Nachdem die Menschen durch die Geburt ins Leben gekommen sind, stoßen sie auf alle möglichen Gefahren und Unbilden. Wenn sie diese aber durch Eintracht beseitigen, dann herrscht Verträglichkeit, und wenn alle diese durch die Sitte meistern, dann leben die einzelnen Individuen miteinander in Frieden, der durch nichts gestört wird. Die Menschen müssen mit Recht und Sitte sich selbst besiegen und nicht mit Körperkraft und Gewalt die anderen unterwerfen. Wenn sie sich im Innern selbst den Prozess machen, ist das wirklich zu erreichen.“

Das sittliche Handeln entspricht der menschlichen Natur und ist dem Menschen nicht aufgezwungen, denn jedesmal wenn jemand eine gute Tat vollbracht hat, ist sein Herz zufrieden und sein Körper fühlt sich wohl; wenn er aber Böses getan hat, ist sein Herz unruhig und er zeigt Schamröte oder aber innere Abstumpfung. Daraus ersieht man, dass das Innere des Menschen ganz vom Vernunftprinzip erfüllt ist und man erkennt dadurch, dass die menschliche Natur in ihrem Ursprung gut ist.

Wenn jemand sich alle Dinge gründlich überlegt, damit er das Wesen seines Herzens nicht verletzt, nichts unternimmt, was er nicht tun will und nichts wünscht, was es nicht wünscht, dann erfüllt er die wahre Aufgabe, vollkommen seinem Herzen zu entsprechen und zu seiner Natur zurückzukehren.

Darum ist die Erforschung dieser Dinge eine so wichtige Angelegenheit und ein jeder kann in den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sein Leben damit neu ordnen und es dem Ursprung und Sinn des Seins zuführen.

 


Wenn Wahrheit Menschen beleidigt, dann ist es unsere Aufgabe als Wissenschaftler sie zu beleidigen. [Satoshi Kanazawa]


Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal bearbeitet, zuletzt von »Frá David« (13.11.2010, 21:54)
#2
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Gelöscht

Der Beitrag ist wirklich wertvoll Frá Ramon. Enthält er doch tiefe Weisheit und eine ansprechende Botschaft. Jedenfalls musste ich ihn meinen Notizen hinzufügen, um ihn weitere Male erneut in Ruhe zu lesen.
Bereits zu einem früheren Zeitpunkt wollte ich mich dazu äussern. Jedoch der Beitrag spricht für sich da gibt es (zumindest von meiner Seite) nichts hinzuzufügen.

Häufig werden wir bei Gesprächen mit Jugendlichen anderer Schulen gefragt, was das ganze Streben und Mühen nach Bildung bringen sollte. Auch hier antworten wir gern mit den Worten der Philosophie in den Worten der alten Philosophen:

Wer in seiner Jugend
die Bildung vernachlässigt,
der lebt ohne Vergangenheit
und ist für die Zukunft gestorben.

Euripides (485? - 406) fr.1028 N. zit. von Stobaios (5.Jh.n.), Anthologium II 31 (Über Bildung), 24.

Weiter Weg

Jung bist du: musst vieles lernen, vieles hören, / hast einen langen, weiten Bildungsweg vor dir.

Sophokles (496-406/5) fr. 627 N.: Stob. Anth. II 31,16.

Das Schönste

Auf die Frage, was am Leben das Schönste sei, sagte Sokrates: „Bildung - Tugend - und zu erforschen, was man nicht weiß!"

Sokrates (470-399): Stob. Anth. II 31,99

Zweite Sonne

Eine zweite Sonne, so Platon, ist für die Menschen die Bildung!

Platon (428/7-348/7): Stob. Anth. II 31,80

Glanz und Asyl

Bildung, so Aristoteles, verleiht den Erfolgreichen Glanz und gewährt allen, die scheitern, ein menschenwürdiges Asyl.

Aristoteles (384-322): Stob. Anth. II 31,35; vgl. schon Demokrit B 58 Stob. Anth. II 31,58

Mister Universe

Aristoteles, befragt, welches Tier das schönste sei, sagte: „Ein Mensch, dessen Seele Bildungsschmuck trägt."

Aristoteles (384-322): Stob. Anth. II 31,47

Bestialisch

Die Ungebildeten unterscheiden sich, so Platon, nur aufgrund ihres Bauplans von Tieren.

Platon (428/7-348/7): Stob. Anth. II 31,64

Asozial

Diogenes, auf die Frage, welches das asozialste Geschöpf sei, das die Erde hervorbringt: „Ein unerzogener und ungebildeter Mensch."

Diogenes von Sinope (39? - 323): Stob. Anth. II 31,75

Göttlich brutal

Bei jedem Gewächs ist es der erste Keim, der, wenn gut entwickelt, dazu berufen ist, der Entwicklung auf den optimalen Zustand seines Wesens hin den entscheidenden Stempel aufzudrücken, bei den Pflanzen nicht anders als bei den Tieren, den zahmen wie bei den wilden.

Der Mensch nun, sagen wir, gehört zu den zahmen, und in der Tat: wenn er die richtige Bildung und eine glückliche Anlage erhielt, dann pflegt er das göttlichste und zahmste Wesen von allen zu werden; nicht hinreichend erzogen jedoch, oder nicht gut genug, wird er zum wildesten Tier, das die Erde hervorbringt.

Platon (428/7-348/7), Gesetze 765 e - 766 a: Stob. Anth. II 31,110 i

Infrastruktur

Die Städte muss man mit Standbildern schmücken, die Seele mit - Stammformen.

Demonax (2. Jh. n. Chr.): Stob. Anth. II 31,50)

Den Städten gewähren die Mauern Eleganz und Sicherheit, den Seelen ein durchgebildeter Geist.

Aristonymos: Stob. Anth. II 31,85

Stein auf Stein

Auf die Frage, was sein Sohn davon habe, wenn er sich von ihm erziehen lasse, sagte Aristipp: „Nun, wenn auch sonst vielleicht nichts, so wird doch im Theater nicht ein Stein auf dem anderen sitzen!“

Aristipp von Kyrene (435-355), Begründer des Hedonismus: Diogenes Laertios II 72

Doppelpack

Ein Mann bat den Aristipp, seinen Sohn als Schüler anzunehmen, wofür dieser 20.000 Euro Studiengebühren verlangte. Als der Mann ausrief: „Dafür kann ich mir ja einen Sklaven kaufen“, sagte Aristipp: „Bitte sehr – dann hast du gleich zwei!“

Aristipp von Kyrene (435-355): Diogenes Laertios II 72

Studiengebühren

Aristipp sagte, er nehme Geld von seinen Leuten, nicht eigentlich, um es selbst auszugeben, sondern um ihnen zu demonstrieren, wie man damit umgehen soll.

Aristipp von Kyrene (435-355): Diogenes Laertios II 72

Krisenbewältigung

Auf die Anfrage der Athener, wie sie die Krise bewältigen könnten, gab die Pythia zur Antwort, wenn sie „das Schönste ins rechte Ohr ihrer Kinder tun" wollten.

Da bohrten sie den Kleinen Löcher ins Ohr und hängten Gold daran - ohne auch nur entfernt zu ahnen, dass die philosophische Bildung [samt Graecum] gemeint war.

Dion Chrysostomos (ca. 40-120): Stob. Anth. II 31,89

Altersversorgung

Pittakos empfahl, als beste Art der Altersversorgung, in Bildung zu investieren: sie sei nämlich absolut kompetent, was die Pflege betrifft, und verstehe es am besten, die Altersbeschwerden zu lindern.

Pittakos, Tyrann von Lesbos, einer der 7 Weisen (ca. 650-570): Stob. Anth. II 31,100

Schamvermeidung

Auf die Frage, was freie Kinder lernen sollten, sagte Agesilaos: „Wofür sie sich schämen müssen, wenn sie's als Erwachsene nicht können.“

Agesilaos II., König von Sparta (ca. 440-360): Stob. Anth. II 31,113

Investmentfond

Besser sind die Optionen der Gebildeten als die Aktien der Ungebildeten.

Demokrit (460-371) B 94: Stob. Anth. II 31,94

Gewinnausschüttung

Bei Euklid saß einer im Grundkurs Geometrie. Als er den ersten Lehrsatz begriffen hatte, fragte er: „Und was hab ich davon, wenn ich das kann?" Da ließ Euklid seinen Burschen kommen und sagte: „Los, gib ihm 10 Euro - er lernt offenbar nur mit Rendite. "

Euklid (ca. 360-280): Stob. Anth. II 31,114

Graecum oder - Latinum?

Auf die Frage eines Mannes, worin er seinen Sohn unterrichten lassen solle, sagte Antisthenes: „Nun, wenn er sein Leben mit den Göttern verbringen soll: Philosophie! Wenn mit den Menschen: Rhetorik!"

Antisthenes (ca. 445-365), Begründer des Kynismus: Stob. Anth. II 31,76

 

 Elitebildung

Kurz, ich behaupte, dass „Anfang, Mitte und Ende" der ganzen Geschichte [Elite werden] in einer tüchtigen Erziehung sowie einer gediegenen Bildung besteht! Und ich behaupte weiterhin, dass diese beiden Faktoren maßgeblich dazu beitragen, "Elite" und insofern auch: glücklich zu werden! Alle anderen Güter und Werte sind doch rein menschlich und minderwertig - Projekte, in die sich nicht zu investieren lohnt!

 


Wenn Wahrheit Menschen beleidigt, dann ist es unsere Aufgabe als Wissenschaftler sie zu beleidigen. [Satoshi Kanazawa]

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