#1

- admin -

Sydney,Australien

Ist dieser Planet nicht lebenswert? Die Alten Ägypter sahen dies eigentlich ganz anders.

Die großen Weltreligionen zeichnen in ihren Schriften und Lehren das Leben der Menschen in einer Art und Weise welche eine Erlösung zwingend zum Ziele haben muss. Braucht der Mensch als diejenige Lebensform, welche den bisher höchsten Entwicklungsstand erreichte, von irgendwem oder irgendetwas eine Erlösung,  - vielleicht sogar vom Leben selbst?

Frá Sidonie de Chevreuse

Ritter des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

#2

- admin -

Sydney,Australien

Der bekannte deutsche Philosoph Artur Schopenhauer definierte dieses Thema in seiner Philosophie in recht harten Worten:

„Die Welt − als Erzeugnis des grundlosen Willens − ist durch und durch schlecht, etwas, das nicht sein sollte, eine Schuld. Eine schlechtere Welt kann es überhaupt nicht geben.“

„Nun ist diese Welt so eingerichtet, wie sie sein musste, um mit genauer Not bestehen zu können. Wäre sie aber noch ein wenig schlechter, so könnte sie schon nicht mehr bestehen.“

„Die Welt ist ein „Jammertal“, voller Leiden. Alles Glück ist Illusion, alle Lust nur negativ. Der rastlos strebende Wille wird durch nichts endgültig befriedigt.“

Frá Sidonie de Chevreuse

Ritter des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

#3

gyges

,Deutschland

Hallo Frá Sidonie,

ich kenne die Religion der Ägypter zu wenig um diese beurteilen zu können. 

Die Weltreligionen haben allerdings durchaus diesen Erlösungsgedanken. Alleine der Gedanke den die Bibel vermittelt - dass man in Sünde und Unvollkommenheit zur Welt kommt und der Erlösung durch den Messias bedarf ist ja an sich schon destruktiv genug und man könnte durchaus den Gedanken vertreten, daß dieses "irdische" Leben nur eine Prüfung oder Leidensweg für "Höheres" ist.  

Ich persönlich kann diese Gedankenwelt nur als absurden Unsinn bezeichnen, da diese einem destruktiven, ja sogar bösartigen Geist entspringen und nur der Versklavung der Menschheit in die Abhängigkeit von religiösen Führern gedient haben und noch dienen. Ohne dieses Erfordernis einer Erlösung und Personen, die behaupten einen Weg zur Erlösung vorgeben zu können ( im allgemeinen als "Geistliche, Priester etc. " bezeichnet )  ist man frei von Machtansprüchen eben dieser und der Geist ist frei Neues und Schönes zu erkunden, was die Welt ganz anders aussehen lässt. 

Das Leben ist ein Geschenk ( vielleicht von Gott ? ....vielleicht vom Zufall.... )  und die Aufgabenstellung für uns das Beste daraus zu machen ( nicht nur für sich selbst sondern für die gesamte Welt ) und es zu genießen.

Gruß  -  gyges

#4

- admin -

Sydney,Australien

Hallo gyges,

tatsächlich finden wir Hinweise zu dieser „Prüfungs-These“ in allen großen Weltreligionen auf irgendeine Art beinhaltet. Deine Gedanken dazu teilen wir überwiegend und wollen hier versuchen anhand schriftbezogener  Quellen die Lehren zu vergleichen.

Ohne jeden Zweifel ist das Leben als Geschenk recht gut bewertet – jedoch, sollte man sich einen Gott vorstellen müssen, der solche Geschenke macht und damit eine direkt bösartige Gesinnung offenbart?

 

Frá Sidonie de Chevreuse

Ritter des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

#5

gyges

,Deutschland

Die bösartige Gesinnung finde ich nur in den Religionen, die versuchen uns "Gott" zu erklären. Sucht man in der uns umgebenden "Schöpfung" bzw. das was vielleicht durch ein höheres Wesen initiiert wurde, dann finde ich darin nichts bösartiges..... außer vielleicht die Natur des Menschen . ....  aber die ist auch nicht durchweg so verdorben sondern nur geformt durch das was wir "Zivilisation" bezeichnen. 

Die Lehren der Weltreligionen sind im Grunde genommen alle eigentlich sehr ähnlich und haben wohl auch größtenteils einen gemeinsamen Ursprung. Eine wirkliche Antwort auf die Frage ob es einen Gott gibt und wenn ja - was er warum bezweckt und warum er zulässt, daß Böses auf der Welt sich ereignet, daß wird man in letzter Konsequenz nicht bekommen, da es sich nur um von Menschen erdachte Glaubensgebilde handelt. 

Und wenn man schon dabei ist, dann muß man auch feststellen, daß gerade die Weltreligionen die Verursacher des größten Leids auf der Welt waren und heute noch sind, 

Streicht man bei all den Streitigkeiten auf der Erde mal alle religiös begründeten heraus, so ist es überraschend, wie wenig Konflikte es auf der Welt gibt, in denen Religion keine Rolle spielt.

gruß - gyges

#6

- admin -

Sydney,Australien

Inwieweit Religionen in die Konflikte der Jetztzeit verwickelt sind wollen wir zunächst hier nicht behandeln. Ob es uns gelingt das Wesen Gottes hier den Menschen näher zu bringen wird uns die nähere Zeit lehren. Deine Gedanken zu diesen Themen sind sehr interessant, hier insbesondere der erste Abschnitt deines letzten Beitrages.

Um vielleicht die Gedanken auf die in der Religion geborene ägyptische Lebens- und Gesellschaftsphilosophie zu lenken hier ein paar Verse, die Jamie an anderer Stelle bereits vorstellte:

Der schöne Tag
Das Herz erfreuen, etwas Schönes sehen,
Gaben und Gäste empfangen im Hause,
In der Halle genießen, von Dingen genießen,
Speisen empfangen.
In der Halle sitzen, sich zu vergnügen
In der Weise des Auf-Erden-Seins.
Für dein KA trinke den schönen Rauschtrunk!
Feiere den schönen Tag!



O schöner Tag, da man der Schönheit ATUMs gedenkt
Wie freut sich das Herz
Und bis zur Höhe des Himmels lobpreist.
"Herrlich!" sagen unsere Herzen zu dem, was sie sehen.
Wie schön ist das Gesicht des ATUM.
Er kam in Frieden, sein Herz ist froh.
Wie stark ist ATUM, der geliebte Gott!
Er leuchtet über Heliopolis, seiner Stadt,
der Herrin des Lebens.



"Feiere den schönen Tag, werde dessen nicht müde!
Bedenke: Niemand nimmt mit sich, woran er gehangen,
Niemand kehrt wieder, der einmal gegangen,
Niemand außer den Herren der Ewigkeit."

 

Und ein weiterer der mir besonders gut gefällt:

"So geh denn hin und iss dein Brot mit Freuden,

und trink deinen Wein mit gutem Mut.

Lass deine Kleider immer weiß sein

Und deinem Haupte die Pflege nicht mangeln.

Genieße das Leben mit deinem geliebten Weibe,

solange dein eitel Leben währt,

denn das ist dein Teil unter der Sonne.

Alles, was dir vor Handen kommt zu tun, das tu frisch,

denn bei den Toten, dahin du fährst,

ist weder Schaffen und Planen

noch Erkenntnis und Weisheit mehr."

 

Wir finden hier nicht Verse, welche primitive Liebe- oder Lebensdienerei verlautbaren, nein, es sind Gedichte und Lieder, welche eine Lebensauffassung offenbaren, die sich in der Lebensfreude und dem Leben selbst orientieren und selbst in den Tempelriten an Festtagen vorgetragen wurden [als Festtage galten in Ägypten die 3 letzten Tage der 10 Tage Woche und jegliche staatliche oder religiöse Feiertage – Abweichungen gab es hier in vielen der Gaue; hier spielte der jeweilige Wohlstand eine gewisse Rolle]. Im Übrigen lebte jeder innerhalb der Gesellschaft in einem common sense, einem über sich selbst hinaus denken, von sich selbst absehen können in allen Lebenslagen, als Grundlage nicht nur eines Lebens im Einklang  mit der Gesellschaft und dem Beifall der Menschen dieser Gesellschaft, sondern zugleich auch im Einklang mit den göttlichen Geboten, zum Wohlgefallen der Gottheit. Die auf die göttliche Ordnung „Ma´at“ gegründete menschliche Gesellschaft steht als ungeteiltes Ganzes im Blick eines jeden; die Bösen gehören einfach nicht dazu. Der Einklang des Individuums mit der Gesellschaft steht in unmittelbarem Zusammenhang mit beruflichem und gesellschaftlichem Erfolg und somit im Blickfeld als unmittelbare Manifestation des göttlichen Segens und im Einklang mit Gott.

Die Weisheitslehre stellt sich dem Leser gegenüber dar als eine Abschiedsrede des weisen Meisters Djehuti an sein ausgewähltes Volk (an alle Menschen – zu welchen in jener Zeit ausschließlich die Ägypter selbst gezählt wurden) und versteht sich als eine „Unterweisung“ über die Entstehung des Universums und die Entwicklung des Lebens in der Welt der „Menschen“. Die Texte machen einen ausgesprochen artifiziellen Eindruck, welche als schriftliche Kommunikation in einem umfassenden thematischen Skopus von Gott und Welt und von den Grundlagen der menschlichen Existenz handeln. Sie sind eine Unterweisung, welche die Unterwiesenen zu Experten macht, die Ihre Nachwelt unterweisen sollen.

 

Frá Sidonie de Chevreuse

Ritter des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -


Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal bearbeitet, zuletzt von »- admin -« (25.09.2012, 22:01)
#7

- admin -

Sydney,Australien

In früher christlicher Tradition wurde die Erde als ein Jammertal  bezeichnet und das Leben als ein Weg des Leidens. Erst die Reformation und infolge dieser, die Aufklärung und der ausufernde Humanismus brachten neue Gedanken in dieses festgefahrene Dilemma des christlichen Glaubens. Aber der hierauf aufkeimende Atheismus brachte auch keine wirklich annehmbare Veränderung. Eines der am häufigsten wiederholten Argumente der Atheisten, die die Existenz Gottes nicht nur anzweifeln, sondern schlichtweg verleugnen, ist, dass so ein gütiger Gott viel Leid und Elend im Leben zulässt. Wie kann ein barmherziger und gerechter Gott die Menschen und ihre Umwelt mit Leid und Katastrophen versehen? Doch damit wird man weder unserer Erde noch der Schöpfung insgesamt gerecht. Wie viel Schönheit findet sich in der Natur, in den wunderschönen Landschaften, der Pflanzenwelt mit ihrer Blütenpracht, ja auch der Schönheit der Tierwelt einschließlich der Menschen. Man könnte das Leben hier sicher genießen, wenn man es verstehen würde, dem Leben gute Bedingungen zu schaffen. Viele finden immerhin das irdische Leben noch so erstrebenswert, dass sie nicht sterben möchten, vielmehr entwickeln die meisten eine direkt panische Angst vor dem Tode. Aber leider ist es zumeist allein die Unkenntnis unserer zukünftigen Seinsform, welche Menschen an diesem Leben haften lässt.

Der Religionsstifter und sogenannte Apostel Paulus hat es im Brief an die Galater in Kapitel 6,5 so geschrieben: "Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen" und zwei Verse weiter: "Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten."

Das macht durchaus Sinn und die Menschen würden sehr gut  darin handeln, sich zu überlegen, welche Saat sie in ihrem Leben aussäen. Sicher kann der Leser sich jetzt über diesen Ton von Warnung und Drohung ärgern, aber er könnte auch die ungeheuren positiven Möglichkeiten für das Leben als solches sehen. Wir wollen alle glücklich werden, nur genau das fangen wir meist falsch an, denn wenn wir nur für unser eigenes Glück arbeiten, säen wir Egoismus aus und werden als Ernte den Egoismus der anderen zu spüren bekommen. Diese Lehre von Saat und Ernte ist im Christlichen als "Sünde" bekannt.

Den Religionsstiftern  des Christentums war sehr daran gelegen, sich selbst und den ihnen Nachfolgenden zu einem glücklichen Leben zu verhelfen. Jesus: "Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere hinzu gegeben werden" (Matth. 6, 33). Paulus: "Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen."

Also geht es im christlichen Glauben nicht darum, das Lebensglück direkt anzustreben, sondern "nach dem Reich Gottes zu trachten", "eine spirituelle Anstrengung zu machen" oder "Gott zu lieben". Dann wird es dem Gläubigen gut gehen. Wir wollen versuchen, zu erläutern, was dahinter steht. Nehmen wir mal an, unsere Erde sei nicht die Hölle, als die viele diese inzwischen betrachten, sondern eine Schule. Aufgabe einer Schule ist, dass die Schüler lernen. In unserer Lebensschule hieße das, dass wir lernen, vollkommen zu werden (Jesus in Matth. 5, 48: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“). Wie ein Schuljahr nach dem anderen lebt also der gläubige Christ hier sein Leben, um die Vollkommenheit zu erwerben. Wie kann der gläubige Christ nun "nach dem Reich Gottes trachten" oder "eine spirituelle Anstrengung“ machen? Die Antwort kann nur von seinem Inneren (Hohen Selbst) kommen. Je mehr der Mensch jedoch in innerer Unruhe ist, desto schlechter wird er die innere Stimme hören. Das Leben der meisten Menschen ist jedoch in der Jetztzeit von unerträglicher Unruhe bestimmt. Sie hören die innere Stimme nicht. Wäre es nicht besser, jeden Tag eine Zeit der inneren Ruhe einzuhalten, um nach innen zu hören, um Antwort auf die Frage zu finden: "Läuft mein Leben in die Richtung, die ich möchte?" Wenn nicht, was kann ich ändern? Es spielt keine Rolle, wie oft man sonntags zum Gottesdienst geht, obwohl der Sonntagsgottesdienst eine gute Gelegenheit sein könnte, auf die innere Stimme zu hören. Unglücklicherweise wird aber in den christlichen Gottesdiensten nicht nur zu viel gesprochen, sondern einfach zu viel geredet, so dass das kaum möglich ist.

Leid als Infragestellung des Glaubens oder als Erschütterung aller Grundüberzeugungen zu erfahren ist ein biblisches Thema. Die alttestamentliche Gestalt des Hiob muss unvorstellbare menschliche Qualen über sich ergehen lassen. Seine verzweifelte Frau ruft deshalb: „Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Fluche Gott und stirb!“ Anders reagieren seine anteilnehmenden Freunde. Sie diskutieren über das sinnlose Leiden und bringen genau die Argumente vor, die Jahrhunderte später in abstrakterer Form wiederauftauchen. Generationen von Philosophen und Theologen mussten sich angesichts der Frage, wie Gott universales oder individuelles Leid zulassen könne, angesichts der Theodizeefrage also, geschlagen geben. Sie gerieten in größte Verlegenheit, die Vorstellung von Gottes Allmacht mit konkreten Erfahrungen des Leidens zusammenzudenken.

Katastrophen sind im Zusammenhang religions- oder ideologiekritischer Debatten immer der stärkste Einwand gegen den Gottesglauben, genauer gesagt: gegen eine bestimmte Gottesvorstellung.

 

Die Bibel schildert sowohl erschütternd und zugleich menschlich, dass auch Jesus in seiner Todesangst das ganze Ausmaß der Gottverlassenheit spürt. Ausgerechnet in seiner Verzweiflung lassen ihn seine Wegbegleiter und Jünger allein. Sie schlafen erschöpft ein, obwohl er sie gebeten hatte, mit ihm zu wachen. Jesus ringt in der letzten Nacht unter den knorrigen Ölbäumen im Garten Gethsemane mit Gott darum, dass der bittere Kelch des Kreuzestodes an ihm vorübergehen möge.

Doch der Qual des Kreuzes kann er nicht entgehen. Er schreit am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ In der neutestamentlichen Überlieferung wurde die Anstößigkeit dieses Schreis später zunehmend abgeschwächt, wohl aus dem sicheren Empfinden, dass im Kreuzesschrei Jesu die Frage nach Gottes Existenz in schneidender Schärfe gestellt wird.

Trotz aller unheilvollen Verherrlichung des Leidens, die es in der Geschichte des Christentums auch gegeben hat, steckt in Jesu Schrei die christliche Antwort auf die Theodizeefrage. Denn hier ist Gott nicht mehr der Angeklagte der skeptischen Fragen, sondern die Antwort liegt in dieser Frage selbst.

Gott verwickelt sich selbst in die Leidensgeschichte der Menschen, er ist ihnen im größten Ausgeliefertsein besonders nah, weil er selbst leidet. Aus dem Leiden der Menschen wird das konkrete Leiden Gottes. Im Vergleich zu philosophischen Gottesvorstellungen der Antike spiegelt sich darin ein völlig neues Gottesverständnis: Die christliche Religion kündet in der Gottessohnschaft von einer Weltzuwendung Gottes, wie sie in dieser Form lange nicht mehr gedacht worden war.

Jesus stirbt für die Welt. Gott gibt seinen Sohn dahin. In dieser Selbsthingabe wendet sich Gott der Welt mit all ihren Unzulänglichkeiten und ihrem Leiden zu. Seither ist es unmöglich geworden, die Frage nach Gott zu stellen und gleichzeitig von seiner Hinwendung zur Welt abzusehen. Der christliche Gott ist kein abstraktes Gegenüber, kein ferner Weltenlenker, sondern ein weltzugewandter Gott. Dafür steht das Kreuz.

Im Jahre 2007 erschien die deutsche Ausgabe des Buches “Der Gottes Wahn” von dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Sein Werk war binnen weniger Tagen ein Bestseller und erreichte innerhalb weniger Wochen zweistellige Auflagen. Dawkins fasst seine Überlegungen über den Gott der Monotheistischen Religionen wie folgt vulgär zusammen: “Er ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf, ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer…”.

Ist Gott tatsächlich ein ungerechter, wie Dawkins behauptet und anführt?

 Frá Sidonie de Chevreuse

Ritter des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

 Frá Sidonie de Chevreuse:

Ist Gott tatsächlich ein ungerechter, wie Dawkins behauptet und anführt?

 

Griechische Philosophen (Platon, Plutarch,...) waren der Meinung, wer Gott negatives unterstellt, verbreitet Aberglaube. Daraus folgt theoretisch, dass  Dawkins nicht den Gottesglauben angreift sondern einen Glauben, der Gott negatives unterstellt. In der Praxis allerdings hat Dawkins vermutlich genau so wenig Ahnung davon wie die Abrahamiten, dass es auch andere Gottesbilder gibt, welche die Hölle ablehnen und auch sonst einen Gott der Rache und Vergeltung. Atheisten wie Dawkins sind geistig nicht wesentlich klüger als die religiösen Menschen, die sie angreifen. Sie sind zweifellos dankbar, dass sie nicht mit Einstein diskutieren müssen, der Gott partout nicht aus der Schöpfung entfernen wollte. Lieber versuchen sie, diesen grössten aller Wissenschaftler irgendwie doch noch zum Atheisten zu stempeln. Koste es was es wolle!

#9

- admin -

Sydney,Australien

Wir wollen hier nicht tiefer auf die sensationspopulistische Polemik einer Dawkin-Theorie eingehen, welche sich vorgeblich, ähnlich der sogenannten „Neuen  atheistischen Bewegung“, zu der auch die Giordano Bruno-Stiftung zu zählen ist, insbesondere auf die Evolution und auf Darwin stützt und beruft.

Kennzeichnend für diese neue atheistische Bewegung ist es im Gegensatz zum früheren, eher passiven Atheismus, dass sie keinerlei Toleranz gegenüber der Religion zeigt und sie auf diese Weise ganz aus der Welt zu eliminieren sucht. Auf den Punkt bringt diese Haltung die Aussage von Dawkins, dass Religion nichts als „eine riesige Verschwendung von Zeit und Menschenleben“ und ein „Witz mit kosmischen Ausmaß“ ist, der letztlich „zu rein gar nichts“ gut ist. Doch mit dieser pauschalen Aussage und Haltung polarisiert und polemisiert Dawkins nicht nur und verspottet Milliarden von Menschen, die sich im Namen einer Religion ernsthaft um eine bessere Welt bemühen. Es ehrt ihn auch nicht gerade als Evolutionsbiologe, denn die Religion spielte, und zwar im Verständnis eines vollkommen natürlichen Geschehens, in der Evolution des Menschen ganz offen sichtlich eine alles überragende Rolle, die nicht einfach als „Witz mit kosmischen Ausmaß“ abgetan werden kann, der „zu rein gar nichts“ gut ist. Dawkins mangelt es im Blick über seine berechtigte Kritik auf die Weltreligionen mitunter an zwingend gebotenen Differenzierungen und dem tatsächlichen Wunsch und Bestreben, biblische und theologische Aussagen wissenschaftlich zu bewerten und wirklich verstehen zu wollen. Auch ist Dawkins nicht immer auf dem aktuellen Stand der Debatten in den ihm doch fremden Wissenschaften Philosophie und Theologie, ja selbst in seinem Fachbereich und damit vergibt er die große Chance zu einer neuen, wirklichen Aufklärung im Licht der Evolutionstheorie. Diese neue evolutionäre Aufklärung würde zwar die Religion überwiegend entmythologisieren, aber gleichzeitig die Achtung vor diesem sehr alten und wirkmächtigen natürlichen Phänomen als erfolgreiches „Werkzeug“ der Evolution bewahren – und damit auch vor den Gläubigen! Da die Neuen Atheisten die Religion nicht als Phänomen der Evolution verstehen, können sie auch keinen gangbaren Weg zur Überwindung der religiös bedingten Probleme in der heutigen globalisierten Welt aufzeigen. Sie setzen nur auf Polemik, Konfrontation und Vernichtungswillen, weswegen sie auch nicht, wie sie es gerne tun, das Humane für sich in Anspruch nehmen können. Vielmehr kennzeichnet die Verhaltensweise der sozialen Aggression das Wesen und den Weg der Neuen Atheisten, da sie die Religion als Feind ansehen, der zu nichts nutze war und ist und der daher zu vernichten ist. Damit outen sie sich aber selbst einer modernen Ersatzreligion auf der fundamentalistischen Basis der abrahamitischen Extremsekten verfallen zu sein. Dass sie mit dieser Vorgehensweise dennoch viele Menschen ansprechen können und insofern Erfolg haben, ist genau wie im Fall der Rückkehr der abrahamitischen Religionen in der heutigen Welt kein Zeichen für die Zukunftsträchtigkeit und Richtigkeit dieses Verhaltens, sondern gerade im Fall der Neuen Atheisten nur ein Hinweis darauf, wie wenig das menschliche Verhalten allgemein erst von der ureigensten Eigenschaft seines Seins bestimmt wird, die in der Evolution auch erst zum Entstehen dieses menschlichen Seins geführt hat: dem Denken und der Vernunft.

Frá Sidonie de Chevreuse

Ritter des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

#10

gyges

,Deutschland

Hallo Frá Sidonie,

ich denke auch das Dawkin es sich da zu leicht macht die Religion als etwas nutzloses darzustellen. Zum einen kann man nicht grundsätzlich jede Religion miteinander vergleichen und auf eine Stufe stellen. Zum anderen bin ich davon überzeugt, daß Religion auch die Basis für ethische Grundsätze und ein soziales Gefüge in der Gesellschaft ist.

Ohne Religion wäre das einzige Mittel das Gesetz - die Justiz - um die Menschheit zu lenken und gewisse moralische Grundsätze zu verankern, wobei die Gesetze und die Justiz sich selbst auf teils religiöse Grundsätze und Anschauungen berufen. Sie sind basierend auf religiösen Grundsätzen und Lehren verfasst worden und somit stark von der Religion beeinflusst.

So bliebe also ohne Religion nur eine knallharte evolutionistische Sichtweise, in der das Recht des Stärkeren erbarmungslos herrschen würde und ich bezweifle, daß wir das wirklich wollten.

 

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