#1

Dennis

Biere, Deutschland

Wie der Titel schon andeutet verbinde ich die Gedankenwelt mit der altägyptischen Vorstellung des Jenseits. Auf der Hauptseite des Tempels findet man in der Rubrik Spiritualität im Text über den Zustand der Harmonie viele Anhaltspunkte. Auch im Forum wurde die ein oder andere Frage dazu beantwortet. Da ich persönlich aber eher ziellos versucht habe Fragen zu stellen, versuche ich dies nun anders anzugehen. Zuerst würde ich gern folgendes verstehen:

Hier offenbart sich der pragmatische Charakter der alten religiösen Schriften. Erklären sie doch, man könnte das ba als Individuum in einem außerkörperlichen Zustand definieren. Im Moment des Todes setzt dieser Zustand ganz spontan ein, doch davor, während des Lebens, «muss ein außerkörperliches Bewusstsein erzeugt werden».

Laut den Texten sitzt der amtierende Priester an einem ruhigen Ort und wendet spezifische Techniken an, um einen Zustand zu erreichen, den die Hieroglyphentexte als qed bezeichnen, was in dem rituellen Kontext auf einen Zustand der Trance oder Meditation hindeutet.

Was bedeutet, im Sinne einer Jenseitserfahrung, eine außerkörperliche Erfahrung? Ist es so etwas wie ein Traum oder ist die Sinneswahrnehmung ähnlich des Wachzustandes?
In einigen Texten hier im Forum und auch auf der Hauptseite liest man, dass dieser Zustand bewusst wahrgenommen wird und auch ein Handeln möglich ist. In einem Trance Zustand scheint es aber eher wie in einem Traum, ein bewusst halluzinierendes Wahrnehmen eines anderen Raumes, Ortes oder sogar Zeit.

Hinzufügen möchte ich noch die Frage,ob die Alten Ägypter den Begriff Evolution, Djet und Jenseits in einem Kontext sahen, da nach neuesten Informationen die Evolution permanent sein soll und es in folgenden Text heißt:

«Djet ist ein heiliger Raum der Dauer, worin das Gewordene, zur Endgestalt Ausgereifte und in diesem Sinne Vollendete unwandelbar fortdauernd aufgehoben ist.» Neheh mochte unendlich sein, doch nur djet war ewig. In einer Inschrift aus dem Mittleren Reich heißt es: »Die Dinge der Djet-Ewigkeit vergehen nicht.«


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Dennis« (05.07.2020, 19:56)
#2

Frá Maurice

Toronto, Kanada

Wie der Titel schon andeutet verbinde ich die Gedankenwelt mit der altägyptischen Vorstellung des Jenseits. Auf der Hauptseite des Tempels findet man in der Rubrik Spiritualität im Text über den Zustand der Harmonie viele Anhaltspunkte. Auch im Forum wurde die ein oder andere Frage dazu beantwortet.

 Die grundlegende Frage ist hier wohl welcher Jenseitsvorstellung man folgt. Die Ägypter wechselten diese Vorstellungen im Laufe der Jahrhunderte häufiger. Je nach Art der Profanierung oder Kollektivierung religiöser Vorstellungen der Ahnen und zunehmender Einflüsse zugewanderter Vorstellungen aus dem "asiatischen" Raum, suchte man solche Vorstellungen dem Zeitgeist anzupassen. Solche Anpassungen erkennt man in besonders dramatischer Form nach Pharao Djoser, Chufu und Unas, dann in der Zeit nach Pepi II und dem folgenden Untergang des alten Reiches. Welcher Vorstellung also folgt der Fragende oder der Suchende im allgemeinen? 

Eine Auslegung ägyptischer Texte sollte wirklich nur durch jemanden erfolgen, der der Schrift mächtig und in der Deutung geübt ist. Der Zustand des "qed", welcher durch Priester zu erreichen war, hat nichts mit außerkörperlicher Erfahrung zu tun. Es ist ein Eintauchen in die Tiefe des Geistes und der Versuch hierdurch eine Verbindung mit Gott und dem Jenseits zu erreichen, die es einem ermöglichen soll Dinge zu erkennen oder gar zu erleben, die in der Zukunft oder Vergangenheit liegen. Dieser Zustand geht viel tiefer als Meditation oder Trance - eine Vereinigung über den Ba zum Ka (also ein Verlassen des Körpers allein durch den Geist) ist nicht möglich. Ein zu tiefes Eintauchen in diesen Zustand kann jedoch zum Tode führen.

Eine Fragestellung zu Evolution und Jenseits ist nicht erkennbar???

#3

Dennis

Biere, Deutschland

 Die grundlegende Frage ist hier wohl welcher Jenseitsvorstellung man folgt. Welcher Vorstellung also folgt der Fragende oder der Suchende im allgemeinen? 

Eine Fragestellung zu Evolution und Jenseits ist nicht erkennbar???

 Erstmal Danke ich für deine Antwort, sie ist Bestätigung und Lichtblick zugleich.

Natürlich versuche ich so nah wie es mir möglich ist an die „alten“ Vorstellungen heranzudenken. Es ist ja nicht so, dass ich verblendet ein Paradies oder eine Himmelsregion besuchen möchte. Es wird nur immer schwieriger, je weiter ich das Denkmuster der Alten Ägypter verstehe. Im Buch: Der Eine und die Vielen (Kapitel Wirkung der Gottheit und Antwort des Menschen) ist es mir wie ein Wasserfall durchs Hirn gelaufen und hat so einiges klar gespült welches man mit dem ganzen Dreck der modernen Denke bedeckt hat. Dieser Bereich, das Jenseits, ist ja kein Ort in den man die Äpfel vom Baume pflückt und gewiss auch nicht die Jungfer beglückt, denn dann fließen eigene Vorstellungen ein und man befindet sich nicht an dem Ort den die Priester besuchten. Nicht in dem Sinne…

Ist das eine Frage? Ich suchte hier mehr Bestätigung, weniger eine Antwort. Wie oben zu lesen, las ich nach meiner Themenöffnung erwähntes Buch und meine Vermutungen verhärteten sich. Doch zugleich erkennt man, dass der Begriff und die Vorstellung irrelevant sind. Denn ohne die richtige Herangehensweise sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und mir wird immer mehr bewusst, wie schwer Fragen darauf zu beantworten sind, geschweige denn eine Antwort auf eine Frage zu geben.

Wie „gezielt“ kann dieses qed ausgeführt werden?


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

#4

Frá Maurice

Toronto, Kanada

Der Begriff "qed" wird sowohl im Sinne von Schlaf als auch Traum verwendet. Der tiefere Sinn des "Sehens" konnte nur von Priestern der obersten Ordnung erfüllt werden. Die "Hohen Priester" der heiligen Stadt Heliopolis waren in der Lage sehr genaue Erfahrungen der Zukunft zu offenbaren.

#5

Dennis

Biere, Deutschland

Dann geht es aber weniger um die Ausführung oder Durchführung, als mehr um die Deutung. Sozusagen das Gesehene einordnen zu können.


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

#6

Frá Maurice

Toronto, Kanada

Dann geht es aber weniger um die Ausführung oder Durchführung, als mehr um die Deutung. Sozusagen das Gesehene einordnen zu können.

 Wer deutet hat schon verloren - er sieht nicht! Hat nicht auch Gott in der Bibel diese "Seher" und "Deuter" verflucht und mit dem Tode bedroht? Nur wer in der Lage ist zwischen den Zeiten zu wandeln, der ist in der Lage zu sehen!

#7

Dennis

Biere, Deutschland

 Nur wer in der Lage ist zwischen den Zeiten zu wandeln, der ist in der Lage zu sehen!

 Man stellt sich bei solchen Aussagen immer Räume vor, in denen man hin und her wandert oder wandern kann. Aber ich habe das Gefühl, das zwischen den Zeiten wandeln einfach nur das Wissen gemeint ist, welches einen lehrt "das Richtige" zu tun welches aus den Erkenntnissen der vorangegangenen Zeiten zu erhalten ist. Mit Sicherheit sind damit auch Dinge gemeint die die menschliche Auffassungsgabe nicht bereit ist abzuarbeiten weil die Weltvorstellung und die Menschvorstellung in falsche Richtungen verschoben wurden.

Ich sah mir heute ein paar Videos und Aussagen von dem Philosophen Markus Gabriel an und wie ich finde erfasst er das momentane Weltbild sehr gut. Im Groben meint er, das wir zurückkehren müssen zur Philosophie die wieder weitaus mehr Einfluss im täglichen Leben nehmen muss. Also eigentlich das, was die Ägypter durch Einhaltung der Maát erreichen wollten und erreicht hatten.


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

#8

Frá Maurice

Toronto, Kanada

Siehst du es ist doch gar nicht so schwer! Nur diese Form des Wanderns ist dir gegeben, das Überbrücken von Raum und Zeit ist etwas was nur den Meistern verliehen wird.

#9

Dennis

Biere, Deutschland

Es ist mehr als schwer. Die Erkenntnis zu erlangen ist relativ einfach, doch die Umsetzung ist es was mir Kopfzerbrechen bereitet. Das erlangte Wissen in Bahnen zu lenken die das Fortkommem nicht nur erleichtern sondern auch fördern können, scheitert meist am (freien) Willen und am schwammigen Ziel welches man weder wirklich erkennt noch sich wirklich setzen kann. Nicht weil man es nicht kann sondern eher weil der äußere Einfluss es nicht wirklich zulässt.

Ich würde aber ungern meine Reise abbrechen wollen, weil mir nur das Wandern in der Begrenztheit bleibt. Dafür habe ich sie zu weit aufgebrochen, was aber die Zielsetzung erschwert wenn man sich als Ziel den Meistertitel setzt.


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

#10

Frá Maurice

Toronto, Kanada

Schwere Gedanken sind dir geblieben von deinem Umweg über das kulturell fixierte Christentum. Man findet diese Gedanken in wenigen Worten zusammengefasst im "Prediger", 6, 10-12. Gute Worte, die jedoch schon in viel älterer Form im Tempel von Heliopolis zu finden sind. Sie wurden umgedeutet, so wie auch du versuchst diese Gedanken deinem Wissen und deinen Vorstellungen anzupassen: "Was da ist, ist längst mit Namen genannt, und bestimmt ist, was ein Mensch sein wird. Darum kann er nicht hadern mit dem, der ihm zu mächtig ist. Denn je mehr Worte, desto mehr Eitelkeit; was hat der Mensch davon? Denn wer weiß. was dem Menschen nützlich ist im Leben, in seinen kurzen, eitlen Tagen, die er verbringt wie einen Schatten? Oder wer will dem Menschen sagen, was nach ihm kommen wird unter der Sonne?

 

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