#21

PCMTH international

Brisbane, Australien

Am heutigen Tag erreichen uns viele Anfragen bezüglich einer greifbaren Argumentation für die Ablehnung der syrischen Opposition auf ein Angebot des iranischen Präsidenten Ruhani, hier vermittelnd eingreifen zu wollen. Wir stellen hier einmal, bevor wir zum Thema einen neuen Bericht einstellen,  eine manchem vielleicht befremdend wirkende Frage: "Würden Sie es begrüßen oder als angemessen erachten, wenn ein Gericht in Deutschland den Vergewaltiger ihrer Tochter, Schwester, Cousine oder Ehefrau zum Therapeuten des Opfers bestellen würde?"

Frá Sumedha Gupta

Ritter des Tempels

 

#22

Frá Ines

Paris, Frankreich

Putin erobert Aleppo

Assads Kriegsverbrechen lohnen sich

Die Eroberung von Aleppo ist für die leidende Bevölkerung genauso verheerend und wie dieser brutale menschenverachtende Krieg gegen das eigene Volk von Anfang an geführt führt - und sie sendet eine fatale Botschaft an Gewaltherrscher in aller Welt: Ihr könnt tun, was immer ihr wollt, die Weltgemeinschaft wird tatenlos zuschauen und sich weiterhin am gutmenschlichen Geschwätz bildungsferner, dekadenter Politiker ausrichten.

Der Tempel hatte seit Jahren davor gewarnt, hier ein Ausmaß an Entmenschlichung zu akzeptieren, welches nicht mehr ideologischem, sondern rein kriminellem Antrieb einer mafiös strukturierten Eliteschicht geschuldet ist, welche sich zunehmend von Russland ausgehend weltweit ausgebreitet und organisiert hat. Alle hätten es wissen müssen. Ab Anfang 2012 hinterließen die Truppen des syrischen Regimes überall dort, wo sie Demonstranten niederschossen und Dörfer niederbrannten, einen Schriftzug: "Assad für immer! Oder wir brennen das Land nieder!"

Sie haben Wort gehalten.

Seit Monaten bekommen das die Menschen im Osten von Aleppo zu spüren. Syrische und russische Luftwaffe haben gemeinsam die Stadt über Monate sturmreif geschossen. Sie haben Streu- und Brandbomben, Bunkerbrecher und Fassbomben eingesetzt, haben Krankenhäuser und Schulen genauso wie zivile Schutzeinrichtungen bombardiert, haben trotz bekannter russischer Lippenbekenntnisse Giftgas eingesetzt, haben mit sogenannten Double-Tap-Strikes gezielt die zivilen Helfer unter Beschuss genommen. Bei solchen Angriffen wird erst ein Ziel angegriffen, dann warten die Jets und Helikopter, bis die ersten Retter am Tatort erscheinen - und werfen dann die nächste Bombe. Das Assad-Regime und seine Verbündeten haben die Rebellengebiete belagert und humanitäre Hilfe für die Eingeschlossenen verhindert. Sie schreckten auch nicht davor zurück Hilfslieferungen der UN und ganze Hilfskonvois durch massive Brandbomben-Attacken zu vernichten.

Das alles sind Kriegsverbrechen.

Sie finden vor den Augen der Weltöffentlichkeit statt. Niemand kann sagen, er hätte davon nichts gewusst. Die höchsten Kreise der Weltpolitik wussten um die zynischen Lügen der russischen Regierungsvertreter, sie wussten um die russischen Propagandafeldzüge durch die Medien – sie alle wussten, dass der KGB-Gnom an der russischen Regierungsspitze selbstherrlich und menschenverachtend nach Weltmacht strebt. Aber Syrien ist weit, gefühlt deutlich weiter als die Ukraine und die Krim, gefühlt deutlicher als die russischen Enklaven in vielen inzwischen „teilbesetzten“ unabhängigen Staaten. Wie nah Syrien tatsächlich gefühlt werden könnte, erkannte man erst durch den von Assad und Russland ausgelösten Flüchtlingsstrom. Auch hier verkannte man die Vorzeichen und zog sich zunehmend in gutmenschliche Wertevermutungen auf der Basis frühgeschichtlicher Fantasieliteratur zurück. Mit einem Erwachen in die brutale Wahrheit der Realität rechnen wir hier im westlichen Utopia nicht wirklich.

Ja, es stimmt tatsächlich, im Osten Aleppos hielten sich islamistische Kämpfer auf, welche zu Gruppierungen zu zählen waren, welche nach westlichem Verständnis dem Terrorismus zugeneigt waren. Die Vereinten Nationen gingen zuletzt von knapp 900 Dschihadisten in der Stadt aus, bei insgesamt 8328 Rebellen „gemäßigter“ Gruppierungen und zuletzt 328.000 Zivilisten. Ja, diese islamistischen Kämpfer haben Verbrechen begangen. Sie haben unter anderem einen Jungen enthauptet, der auf Seiten einer Pro-Assad-Miliz gekämpft haben soll, und sie beschießen den von Assad-Truppen gehaltenen Westteil Aleppos mit Raketen. Auch dabei sterben Zivilisten, die zumeist nur wenig Interesse an den politischen Vorgängen im Lande zeigten, Menschen, die aber zweifelsfrei auf Seiten Assads standen – wer sich im Westteil Aleppos nicht offen für Asad bekennt verschwindet üblicherweise spurlos. .

Aber nichts von den Aktionen der Aufständischen rechtfertigt die Kriegsverbrechen des Assad-Regimes und Russlands.

Was gerade in Aleppo passiert, wird die Welt noch auf Jahre verfolgen. Denn es zeigt, dass ein Staatschef Hunderttausende seiner Bürger töten und Millionen vertreiben kann, wenn ihn eine Uno-Vetomacht unterstützt. Das Konzept der Responsibility to Protect, also der kollektiven Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen zu verhindern, ist nach Aleppo am Ende. Die Weltgemeinschaft hat erneut völlig versagt und sich dem Diktat des russischen Präsidenten unterworfen. Wie schon in der Vergangenheit fordert der Tempel die sofortige Auflösung der Vereinten Nationen. Diese Organisation dient inzwischen allein der Rechtfertigung und der Unterstützung krimineller, oligarchischer Machtansprüche, sowie der Blockbildung und Zurüstung weltweiter Konflikte.

Das Assad-Regime hat in den vergangenen fünf Jahren eine rote Linie nach der anderen übertreten. Erst feuerten die Sicherheitskräfte mit gezielter Tötungsabsicht auf Demonstranten, dann bombardierten Kampfjets und Helikopter des Assad-Regimes syrische Städte und schreckten selbst vor dem massiven Einsatz von Giftgas nicht zurück. Seitens der UN und des Westens wurden alle Beweismittel für die Massenmorde und Kriegsverbrechen zurückgewiesen, als unzureichend diskreditiert oder gar gezielt vernichtet. Die russische Regierung deckelte jedes Kriegsverbrechen und erdreistete sich zunehmend mehr, hier Gegenbeweise zu lancieren, von denen jeder bereits im Vorfeld deren Fälschung bewiesen sah.

Derzeit leben noch immer Hunderttausende Syrer in Städten, die von Assads Truppen belagert werden. Alle paar Monate darf die Uno den Eingeschlossenen Nahrungsmittel liefern, zumeist gerade so viel, dass sie nicht verhungern.

Zwei eingeschlossene Vororte von Damaskus wurden in den vergangenen Monaten evakuiert, die Menschen in andere Landesteile gebracht, Hunderte Kilometer von ihren Heimatorten entfernt. Was das Regime als humanitäre Geste pries, war nichts anderes als eine ethnische Säuberung. Sunniten, die den Großteil der Aufständischen stellen, werden gezielt vertrieben und man schafft Siedlungs-Raum für die alawitische Minderheit zu der auch die kriminelle Regierungselite zählt. Selbst der Hisbollah hat man genauso Siedlungsgebiete zugesagt, wie den iranischen Mullahs Raum für eventuell erforderliche Umsiedlungen schiitischer Minderheiten aus dem Irak.

Sunnitische Muslime stehen in Zeiten von al-Qaida und "Islamischem Staat" (IS/Daesch/Dāʿisch) unter dem Generalverdacht, islamistisches Gedankengut zu vertreten. Tatsächlich freuen sich diese Terrorgruppen über das, was in Aleppo passiert, denn es passt genau in ihr Weltbild: Das alawitische Assad-Regime legt mit Hilfe iranischer und russischer Truppen, schiitischer Milizen und russischer Waffen eine mehrheitlich sunnitische Stadt in Schutt und Asche. Damit schafft man erneut einen idealen Nährboden für radikale sunnitische Bewegungen.

All die irrsinniger Weise ersehnten oder erbeteten Hoffnungen westlicher Politiker, dass Russland mäßigend auf das Regime in Damaskus einwirken oder den Diktator vielleicht sogar fallen lassen würde, haben niemals bestanden. All die Gesprächsrunden und Verhandlungen in Wien, München und Genf waren von Russland allein mit dem Ziel und zu dem Zweck, Zeit zu gewinnen inszeniert worden. Zeit, die man nutzte um Diktator Assad aufzurüsten, russische und iranische Truppen und ausländische Milizionäre ins Land zu holen.

Angesichts des offenen russischen Eingreifens aufseiten Assads gab es für den Westen sicher gute Gründe zur Zurückhaltung, um eine weitere Eskalation mit Moskau zu verhindern. Aber man hatte den richtigen Zeitpunkt möglichen Eingreifens bewusst politisch verhindert, als man sich darauf einließ sich von Moskau vorführen zu lassen. Die russische Lügenpolitik der letzten Jahre war so offensichtlich, dass man hier nur darauf eingehen konnte, wenn man dies bewusst hinnahm. Amerika und Europa verfolgten hier eine derart destruktive Politik, dass sie damit die eigenen politischen und gesellschaftlichen Werte, selbst gegenüber den eigenen Völkern, verrieten. In letzter Konsequenz heißt das aber: Man lässt zu, dass das russische Militär in Syrien Tausende Zivilisten tötet, in der Hoffnung, dass Wladimir Putin dafür Europa von seinem Machtstreben verschont. Wie illusorisch diese Hoffnung aber tatsächlich ist, zeigt der inzwischen massive Einfluss russischer Nachrichtendienste auf die westlichen Medien und die westliche Politik. Nicht zuletzt sollte der Ausgang der US-Präsidentenwahl und die Vorgänge innerhalb der EU nicht zu spät als Warnsignale Deutung finden.

Das syrische Regime wird von einer faschistoiden Ideologie getragen: Die Syrer, die sich gegen Assad stellen, haben es nicht verdient, zu leben. Die derzeit zu beobachtenden Massenerschießungen in Aleppo zeigen die ganze Verachtung menschlichen Lebens die Assad und seine russischen Freunde in sich tragen. Der Diktator wird weitermachen. Um an der Macht zu bleiben, wird er so viele Syrer töten lassen, wie die Welt ihn töten lässt.

 

 

 

 

 

 


Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal bearbeitet, zuletzt von »Frá Ines« (13.12.2016, 19:22)
#23

Jamie

, Schweiz

😞 Ein erschreckendes Szenario das hier laut eurem hervorragenden Bericht sich ungehindert passiert und ausbreitet. Mich würde interessieren von wie vielen Toten man bisher ausgehen muss. Ich habe leider keinerlei Vorstellung in welcher Opferzahl wir hier uns bewegen. Könntet ihr ungefähr aufzeigen wie hoch hier der Zivile Verlust wiegt?


 

#24

Frá Ines

Paris, Frankreich

Wir haben hier derzeit nur die Liste der Gesamtverluste: 548.637 Stand 12.12. 2016 23.48

Dabei sind nicht berücksichtigt die Verluste: iranische Milizen: 26.279

Hisbollah : 17.848

irakische Schia Milizen : 23.296

zu den Verlusten der Assad-Armee fehlen verlässliche Zahlen genauso, wie zu den Verlusten der russischen Unterstützungskräfte.


Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal bearbeitet, zuletzt von »Frá Ines« (13.12.2016, 17:57)
#25

Jamie

, Schweiz

Danke für die Angaben Frá Ines! Nun kann ich mir ein besseres Bild von der derzeitigen Lage machen. Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte angesichts diesen katastrophalen Ausmasses. Unfassbar auch die Angriffe auf Helfer in den betroffenen Gebieten.

Ich kann all dies nicht nachvollziehen und es wird einem wieder bewusst zu was das Tier Mensch fähig ist.


 

#26

Dennis

Biere, Deutschland

Im Hintergrund bei mir läuft gerade Sam Cooke - What a wonderful World

Ohne Worte - ich finde einfach keine!


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

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