#1

Frá Arkesh

Udaipur, Indien

Gemeinwesen und Gewalt der sich als Wille verwirklichenden Vernunft?

 

Staatliche Gemeinschaften als rechtlich durchorganisierte Macht- und Wirkungsgefüge haben sich im Laufe der Geschichte allmählich herausgebildet. Seit in Europa der neuzeitliche Staat aus den Bürgerkriegen der frühen Neuzeit hervorging, gilt es als sein unbestrittenes Merkmal, dass das Zusammenleben in einer staatlichen Gemeinschaft einer zentralen Regelungsmacht unterliegen und in durchorganisierter Weise auch gewährleistet sein muss, damit die Menschen in Frieden und Sicherheit in ihm zusammenleben. So haben es vor allem Jean Bodin und Thomas Hobbes gelehrt. Was aber ist die Grundlage einer Staatsbildung? Wer und was ist „der Staat“? Was ist in der Zeit von Putin und Merkel noch vom staatlichen Idealbild in Platos Politeia verblieben? 

#2

Frá Arkesh

Udaipur, Indien

Zitat von: SOL demiurg hierher verschoben von Frá Arkesh 06032016 14.11

Staat

Aus meiner Sicht ist ein Staat ähnlich aufgebaut wie das oben angesprochene Verwaltungsorgan eines solchen Miteinanders der Menschen, also eine strukturierte Ebenendarstellung.

Wiedermal ist es der „Begriff“ Staat, der hier die einzelnen Akteure in verschieden Untergruppen teilen muss um das eine Gesellschaft entstehen und miteinander überleben/leben kann.

Der Begriff Staat selbst, kann nach der begrifflichen Deutung nicht in eine allgemein gültige Definition gehalten werden, da er sich selbst nur als Begriff versteht.

Die unterschiedlichen Ansichten dieses Begriffes befassen sich hauptsächlich mit dem Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen.
Die eigentliche Begriffsdeutung zeigt, das durch eine politische Ordnung bestimmter Gruppen ein Recht zugesprochen wird, ihre jeweiligen Stellungen im Staat auszuüben.
Hier müsste man auch noch unterteilen zwischen den Einzelpersonen und den Gesellschaften.

In meinem Sinne bedeutet dies, das jede Einzelperson in der Person des jeweiligen politischen Rahmens, von der im Staat befindlichen Bevölkerung zum gewaltausübenden Organ gewählt wird.
Diese politische Machtgewalt, die auf Einzelpersonen(Parteien) übertragen wird, hat den Nachteil, das die Sicht von oben herab geschieht und die Definition Macht/Gewalt eine höhere Stellung einnimmt als das eigentliche Ziel eines solchen Gewähltseins.

Hierzu eine Grafik, zu finden unter Wiki (selbst erstellt):

Einfache Pyramide

Diese Grafik zeigt vereinfacht was den Kapitalismus aufzeigt und an der Spitze endet, also den Parteien oder Einzelpersonen die über einen Staat und deren Bürger „herrschen“. Das Problem was ich erkenne ist, das hierbei nicht zu Ende gedacht wurde und die Machtverhältnisse dem eigentlichen Sinn eines Staates nicht gerecht werden. Laut den vielen vielen Definitionen und Auslegungen des Begriffes Staat, der ja den Menschen , also Einzelpersonen schützen und Ordnung halten soll, bleibt nur ein ideologisches Bild zurück. Eben die oben gezeigte Pyramide.

Im altägyptischen heißt es, so wie oben so auch unten. Diese Grafik und deren Verwaltungsorgane unter den Menschen zeigt nur das Unten. Es wird also, aus meiner Sicht, nur in einer Richtung gehandelt, gedacht wird aber auch in die andere Richtung eben durch die vielen unterschiedlichen Begriffsdeutungen des Staates.
Jeder will an die Spitze und Mitspracherecht von oben herab aufzeigen, was man an den vielen Ausschreitungen der Bürger erkennt, da diese die Auswirkungen des falschen Handelns am eigenen Leib erkennen und spüren.

Meine Grafik hierzu:

Doppelte Pyramide

Diese zeigt auf das die unteren Schichten, also die Bürger, nach oben ihre Gewalt abgeben, also wählen, und daraus zumindest erhoffen, das die gewählten Bürger nicht nur das System verwalten, sondern auch den Bürger selbst. Bei meiner pyramidischen Ansicht beruht es auf Gegenseitigkeit und jeder bekommt hierbei etwas zurück. Ein Kanzler ist kein Kanzler sondern ein gewählter Bürger in Ausübung eines ihm zugestellten Amtes durch den Bürger. Also einen Umlauf, den man betrachten sollte wie den Kreislauf des Wassers.

Hierbei ist aber die Gerechtigkeit zu beachten, die es an manchen Staatssystemen mangelt und dadurch, wie es der Kirchenlehrer und Philosoph Augustinus betrachtet, zu räuberischen Verhalten aufkommen lässt.

Zitat: „Was anderes sind also Reiche, wenn ihnen Gerechtigkeit fehlt, als große Räuberbanden? Sind doch auch Räuberbanden nichts anderes als kleine Reiche. Auch da ist eine Schar von Menschen, die unter Befehl eines Anführers steht, sich durch Verabredung zu einer Gemeinschaft zusammenschließt und nach fester Übereinkunft die Beute teilt. Wenn dies üble Gebilde durch Zuzug verkommener Menschen so ins Große wächst, dass Ortschaften besetzt, Niederlassungen gegründet, Städte erobert, Völker unterworfen werden, nimmt es ohne weiteres den Namen Reich an, den ihm offenkundig nicht etwa geschwundene Habgier, sondern erlangte Straflosigkeit verleiht.“

Fazit zum Staatsgebilde:

In der heutigen Zeit ist es meines Empfindens nach zu verwoben geworden um hier eine strukturierte Einheit zu erzielen, die nicht nur für den Menschen sondern eben für den kompletten Globus und dem darin enthaltenen Leben „dienlich“ sein könnte.
Der Mensch hat sich an die Spitze der Pyramide gestellt, diese abgeriegelt und somit den Umlauf verhindert ein System zu erhalten das millionen Jahre gebraucht hat um sich zu formen und durch den Menschen ist dieser Umlauf behindert wurden, da er sich mehr darauf beruft das System zu sein, als es zu bilden und zu fördern.

#3

Dennis

Biere, Deutschland

Zitat Frá Arkesh: Was ist in der Zeit von Putin und Merkel noch vom staatlichen Idealbild in Platos Politeia verblieben? 

Ich würde diese Frage anders formulieren. Inwieweit konnte sich Platos Politeia in den Herrscherreien profilieren? Wurde versucht dieses Idealbild überhaupt in Erwägung zu ziehen und umzusetzen?

So wie ich es gelesen habe, wurden diese Bücher zwar gelesen und studiert, aber mehr zum Zweck der chronologischen Richtigkeit als weniger des Versuches diese zu verstehen.

Ich hatte mich gestern kurz mit dieser befasst. Diese Bücher sind auf mehreren Ebenen zu verstehen. Zum einen für eine staatliche Bildung aber auch zur Bildung des Einzelnen. Es wird auf die Tugenden verwiesen, die nicht nur ein Herrscher haben sollte sondern auch jeder Bürger, sonst würde ein Idealstaat, so wie ihn Plato schildert, erst gar nicht funktionieren.
Hier ist dann aber auch zu bemerken, das dies nur "national" funktioniert. Man kann zwar versuchen die Idee in anderen Staaten und deren Herrscher unterzubringen doch müssten dann alle auf gleicher Weise gebildet werden.

In der heutigen Zeit wohl kaum mehr möglich, da unser Wissen oder anders ausgedrückt unser Mit-wissen-wollen, die Tugenden überdeckt. Keiner vertraut dem Nächsten und in unserer Politik gibt es mehr die Nischenpolitik, womit ich meine, das sich Parteien bilden die nur auf bestimmte Reaktionen der Bürger reagieren aber das Gesamtkonzept gar nicht erfassen können oder vielleicht sogar wollen.

Ich werde mich aber in nächster Zeit ein wenig mehr damit beschäftigen.


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Dennis« (07.03.2016, 11:25)
#4

Dennis

Biere, Deutschland

Zitat Frá Arkesh: Was aber ist die Grundlage einer Staatsbildung?

Sokrates spricht von Philosophenherrschern, nur diese sind gegeignet genug Bürger/Menschen zu (be)herrschen.

Ist es überhaupt möglich für die Menschen sich einem idealen Bild einer (Ver)Fügung zu unterwerfen und das Bild eines „guten Menschseins“ erreichen zu wollen und dieses auf einen Staat auszuweiten, auf ein Land, auf den Erdball?

Ich machte mir seit Tagen Gedanken über solch einen Sinn, einen Grund für Menschen, ein Leben zu führen das „für Alle“ ein gutes Leben bedeutet. Möglich oder nicht möglich? Oder überhaupt nötig? Überhaupt „sinnvoll“?

Man bekommt von Kind auf an das Leben erklärt, jeder in seiner Kultur und dessen kulturellem Verständnis. Jeder in Schulen, von Priestern, von Schamanen oder Privatlehrern. Einige auf der Straße.

Auf welcher Basis sollte nun ein Staat und dessen Bevölkerung aufgebaut werden, in dem eine gerechte Lebensweise dauerhaft präsent ist oder gehalten werden kann?

Jeder in diesem Staat müsste von Grund auf in diese Lehre eingelehrt werden und müsste diese auch ausleben. Dazu müsste sich dieser Staat einkapseln und nach außen hin abschirmen. Jede Information, die die Fronten hindurchsickern lassen, würde ein Aufhorchen und ein Aufbegehren aufkommen lassen. Für das Innere würde ein durchsickern eine Gefahr bedeuten. Vergleichbar mit dem Griff ins Feuer das die Eltern dem Kind ersparen wollen weil es sich dabei die Hand verbrennt, verbrennt sich das Kind aber nicht die Hände selbst, wird es in einer therotischen Wahrheit gefangen bleiben.
Aber selbst ohne dem Verbrennen werden Fragen an die Eltern aufkommen, woher sie diesen denn wissen wollen!

Wo liegt nun der Sinn darin, der Grund eines Begehrens, nach einem Leben zu streben, das rein theoretisch in einer Lebzeit des einzelnen Menschen nicht erreichbar ist?

Ist es nicht nur eine Vision unter Menschen die dies aufrecht erhalten kann? Eine Hoffnung auf etwas Besserem? Aber für wen? Die eigene Energie darauf gerichet, das das vorhandene Chaos, in dem man immer lebt, irgendwann für die Nachwelt zu einem Besserem gereicht?

Den Ägyptern gelang es durch einen Jenseitsglauben und der beseelten Welt durch Gottheiten, durch übergeordnete Gedankenwesen, die aber in der Kultur der Ägypter belebt waren und wurden. Sie hatten einen Sinn ins Leben gerufen, indem eine Abweichung des Guten, des Gerechten, eine Verbannung in die Leere bedeutete. Die Seele des Körperlichen wurde geschult und als etwas dargestellt was Dauerhaftigkeit bedeutete.

Heute, lebt die Leere unter uns, die nur gefüllt werden kann mit einer Lehre über das Füllen dieser Leere und so einen Grundstein legen kann der für eine Staatsbildung (Menschbildung) geeignet ist.


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

703 Aufrufe | 4 Beiträge