#1

Dennis

Biere,Deutschland

Ich hätte da mal eine Frage und weiß nicht ob das im Forum schon behandelt wurde. Die ägyptischen Götter wurden hauptsächlich mit einem Tierkopf abgebildet. ATUM aber auch mit Menschenkopf. Was ist der Grund gewesen, die Götter mit Tierköpfen abzubilden?

Wurde das Wesen erfasst? Oder wurden Priester abgebildet mit Tiermasken? Oder eine andere Bedeutung?


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Dennis« (24.11.2021, 07:14)

Das hätte ich auch gerne gewusst, bevor die Frage wieder in der Versenkung verschwindet.

#3

Dennis

Biere,Deutschland

Wir haben mal ein wenig gegrübelt und Andreas hat in seinem Archiv eine interessante Aussage dazu gefunden. Frá Ramon antwortete ihm damals folgendermaßen:

Der Sphinx hat einen Löwenkörper (die sinnbildliche Darstellung der Kraft und Stärke des ATUM) und ein menschliches Gesicht (ATUM durfte nur als Mensch dargestellt werden - der große Allvater). Die Kopfbedeckung der Könige und später auch Fürsten und Generäle war das Tuch, welches in Form der Löwenmähne (Stärke) getragen wurde. Daher auch der Sphinx.

ATUM durfte nur als Mensch abgebildet werden. Warum ist/war das so? Gut, es ist natürlich schwierig den Einen, der Alles ist abzubilden, aber rein als Mensch oder nur als Menschenkopf abzubilden, da stellen sich Fragen auf.


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Dennis« (02.04.2022, 20:19)
#4

Dennis

Biere,Deutschland

Ich habe ein ansprechendes Bild gefunden. Es umreißt nicht nur das Thema sehr gut, sondern passt auch zu Beschreibungen des Tempels hier im Forum.

Link zum Bild - das einfügen von Bildern funktioniert bei mir nicht.

Die Gestik harmoniert mit der Darstellung und den Farben, die Mimik jedoch zeigt das Gegenteil auf. Ist das Bild, welches wir von Djehuti kennen, schon eine Verzerrung der Tatsachen? Oder ist es rein symbolisch zu betrachten, so wie fast alles aus altägyptischer Zeit?


Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal bearbeitet, zuletzt von »Dennis« (11.04.2022, 20:07)
#5

Frá Valérie

Brisbane,Australien

Ein interessantes Bild: Es stellt Djehuti in den beiden gebräuchlichsten Darstellungsformen da. Die bekannteste und verbreiteste Darstellung als Mensch mit Ibiskopf (der Ibis als Symbol der Schriftkunde) und die Darstellung als alter, weiser Pavian, dem Symbol der Weisheit in Person. beide Darstellungsformen zeigen das Sonnensymbol über dem Kopf, umfasst vom Strahlenglanz des Universums als Symbol des allumfassenden Uroboros, dem Zeichen der Ewigkeit des Universums, welches bei einigen Göttern durch die stilisierten Hörner übernommen wurde. 

#6

Jamie

Heizung,Schweiz

Diese Frage wurde (trotz Ankündigung) auch noch nicht beantwortet. Siehe Beitrag Nr. 2, es wäre schade wenn der Thread unterginge.

#7

Frá Victoria

Winnipeg,Kanada

Diese Frage wurde (trotz Ankündigung) auch noch nicht beantwortet. 

 

Realistisch betrachtet ist diese Frage hinreichend im net beantwortet. Alle Götter im Alten Ägypten konnten als Tierwesen abgebildet sein. Manche zum Ende des Alten Reiches auch als Mensch. Das war davon abhängig, wie nahe diese dem Allherrn und Großen Vater zu erachten waren. Alle Götter waren lediglich als Sinnbild einer (oder auch mehrerer) göttlicher Eigenschaften zu betrachten. Dem gemeinen Volk war das Ansprechen des Einen der Alles ist einfach zu gewagt, also nutzte man die alten oder auch neuen Ortsgötter, die in einer oder mehreren Eigenschaften dem Einen zu vergleichen waren, um dem Einen in dieser Form zu huldigen. Über die Jahrhunderte und Jahrtausende gingen die ursprünglichen Ideologien, die hinter diesen Verehrungen standen größtenteils in Vergessenheit. Selbst die jeweiligen Priester waren sich selten oder kaum noch bewusst, welchen Hintergrund ihre jeweilige Ideologie in ihrem Ursprung hatte. Die Angleichung eines Ortgottes an den Einen und somit der Ursprung der Hinwendung zur Ideologie der Ma`at war so tief in das kulturelle Gedächtnis eingedrungen, dass niemand mehr über diesen Ursprung reflektierte oder diesen anzweifelte. Der eine Gott, der noch heute in den Schriften der Welt-Religionen verehrt wird und dem man noch immer irrtümlicherweise nachsagt er habe die Menschen nach seinem Bilde erschaffen, hat seinen altägyptischen Ursprung in dem Tempel von Heliopolis, von wo aus er seinen Siegeszug um die Welt antrat. Aber schon in Ägypten wurde die alte Lehre soweit gewandelt, dass die Eigenschaftsgottheiten in ihren örtlichen Verehrungskreisen überwiegend in Tiergestalt oder Mensch mit tierischem Antlitz abgebildet wurden. Ein Teil Gottes sollte nicht Mensch sein sondern seine Eigenschaft in einer passenden Tiergestalt gespiegelt sein. So wurden Ortsgottheiten in die Lehre integriert und der bescheidene Diener im Volk beugte sich dem, was angemessen und üblich war. Atum jedoch wurde in Heliopolis als Mensch abgebildet und in anderen Kulten angemessen als der Starke und Große in Löwenkopfgestalt oder im Hinblick auf die Lehre als Schlange, in Anspielung auf den Ouroboros (die Schlange der Ewigkeit). Im neuen Reich wurde der Gott des Totenreiches Anubis zu neuer Größe erhoben. Er überwachte die Einbalsamierung und er leitete den Weg des Verstorbenen in das Reich des Osiris. Hier wurde es in Theben, der Stadt des Amun, üblich die Priester, die der Mumifizierung vorstanden, in einer Maske des Totengottes erscheinen zu lassen. Masken irgendwelcher Haupt-, also Eigenschaftsgötter, waren nicht üblich. Jedoch etablierten sich in nahezu allen Tempeln die Triaden, also die Verehrung von drei Gottheiten, als Sinnbild der Dreieinigkeit von Heliopolis, Atum, Schu und Tefnut. Man holte die Gottesvorstellungen aus dem Universum auf die Erde um diese den Menschen verfügbarer und näher zu machen.

#8

Jamie

Heizung,Schweiz

Vielen Dank für die ausführliche Antwort, Frá Victoria! Ich werde den Text meinem Textband hinzufügen.

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