#21

Marcain

Himmelpforten, Deutschland

Dieses Thema kann man gar nicht ohne eigene Emotion ect. lösen oedr beantworten. Denn neutral wird man dieses Thema nie beantworten können. Entweder stecken in der Lösung oder Antwort eigene Emotionen wie Angst, Fanatismus, Gier ect.

Wiedersprechen muss ich euch auch denn zu einer Diskusion gehört auch persönliches vorallem bei dieser Diskusion denn wie bereits gesagt es wird immer persönliches mit einfließen.

Die Frage wer denn die Probleme des Menschen lösen soll wenn wir nicht selbst, nunja dies könnte man verschieden beantworten.
in betracht der Lösungen aus der Vergangenheit. FÜhrten diese unteranderem doch auch dazu dass gesagt wird früher oder später ist dieses Thema unvermeindlich. Indem wir die Lebenserwartung erhöhen und die überlebensrate der Säuglinge erhöhen kam es doch dazu. Da hätten wir eine Antwort dass der Mensch seine eigenen Probleme nicht lösen kann.

Sämtliche andere Antworten bezüglich dieser Frage schenke ich mir einfach mal denn man kann auch eine philosophische Antwort geben.

Anzumerken ist auch das Gyges sich Mühe gibt diese Thema zu bearbeiten und seine Meinung mit uns zu teien. Jedoch hat er schon mehr von seiner eigenen Meinung preisgegeben als Ihr. Denn bisher wurde von euch dem ganzen entweder aus dem Weg gegangen oder es kamen Gegenfragen als Antwort.

Ich würde mir wünschen dass mal eine DIREKTE antwort auf dieses Thema gegeben wird. Wie der Temple nun zu diesem Thema steht. Dann kann man auch besser Diskutieren. Denn momentan wird an gyges Meinung gezetert anstatt eure Meinung mit uns zu teilen. Wenn schon gesagt wird, dass gyges zu viel persönliches mit einbezieht dann werdet ein Vorbild und zeigt uns einen anderen Weg.

Ich hoffe das gyges sich nicht entmutigen lässt und sich weiter an dieser Diskussion beteiligt


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Marcain« (21.04.2012, 01:33)
#22

- admin -

Sydney, Australien

Danke Gyges für deinen Beitrag, wir werden noch genauer auf die einzelnen Punkte eingehen. Sicher werden wir uns nicht den Vorwürfen von Marcain beugen und sofort unsere Haltung in diesem Thema offen legen. Solche Druckargumentationen führen nicht wirklich zu einer sinnvollen Diskussion, vielmehr wäre dann dieses Thema ohne wirkliche Hinterfragung von Argumenten sofort beendet, womit die öffentliche Diskussion der Bürger über die Zulässigkeit von negativ-eugenischen Verfahren jedoch nicht beendet sein wird, sondern diese wird sich mit jeder neuen Eintragung in der vom Gesetzgeber spezifizierten Liste der indizierten Erbkrankheiten immer wieder neu entzünden. Also unternehmen wir doch den Versuch eine allgemein verständliche Grundbestimmung zu erarbeiten. Wenn Moral nach wie vor auf eine Begründung aus Weltbildern angewiesen wäre, oder wenn diese beiden Seiten in einem zirkulären Begründungsverhältnis stünden, müssten wir den Toleranzgewinn der weltanschaulich neutralen Aufklärungsmoral und Menschenrechtskonzeption endgültig abschreiben. Als Konsequenz müssten wir den Verzicht auf eine normativ überzeugende Befriedung kultureller und weltanschaulicher Konflikte von vornherein in Kauf nehmen.

Frá Arnau de Rubens Figueroa

Komtur des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

#23

- admin -

Sydney, Australien

Während man zur Zeit der großen griechischen Denker noch der generellen Auffassung folgte Menschen zerfielen von Geburt an in besondere Gruppen mit ungleichen Fähigkeiten und so die Sklaverei als angeborene hierarchische Klassifizierung sah, zu der auch Frauen und „Barbaren“ zu zählen seien, sollte das eigentliche Leben nur wenigen vorbehalten sein  – die übrigen waren nur lebendiges Werkzeug zum Nutzen des Gesamten -, griff die Aufklärung diese Vorstellung der Ungleichheit nicht nur auf, sondern verband diese mit unterschiedlich extremen rassistischen Vorstellungen. Selbst prominenteste Aufklärer glaubten ernsthaft an die naturgegebene Ungleichheit der Menschen, welche sie in verschiedene Gattungen gliedern wollten und diversen Nutzungen zu unterwerfen gedachten. Selbst Marx verteidigt die Kolonialherrschaft als Mittel die „Trägheit“ der menschlichen Entwicklung in asiatischen und afrikanischen Ländern zu überwinden. Der bekannte Schriftsteller H.G. Wells sah das Schicksal „jener Schwärme schwarzer und brauner und schmutzig-weißer und gelber Menschen, die nicht auf die Bedürfnisse der Leistungsfähigkeit im künftigen Weltstaat eingehen folgendermaßen: „Nun, die Welt ist eine Welt und kein Wohltätigkeitsinstitut und ich denke, sie werden gehen müssen. Die ganze Haltung und der Sinn der Welt, wie ich sie sehe, sagt, dass sie gehen müssen.

Solche Überlegungen waren unter den Fortschrittsdenkern jener Zeit üblich. Der Rassismus der Aufklärung zeichnet sich darin aus, dass er den Genozid  mit wissenschaftlichen Gründen und den Zeichen einer gewissen „Zivilisiertheit „ ausstattete.

Massenmord wurde mit pseudowissenschaftlichen und darwinistischen Ideen gerechtfertigt und das ausrotten ganzer Völker gutgeheißen, weil dies dem Fortschritt der Menschheit diene. Maßnahmen der „Volkshygiene“ wie Sterilisation von Behinderten finden sich bereits zur Jahrhundertwende in Großbritannien und den USA. Einflussreiche Denkanstöße aus der Aufklärung führten zu Strategien in den liberalen Demokratien des Westens, welche im Bolschewismus perfektioniert und von den Nationalsozialisten industrialisiert wurden. Da das Thema Nationalsozialismus in den letzten Jahrzehnten nicht nur historisch, sondern auch medial völlig ausgereizt und eher glorifiziert als verteufelt wurde, möchten wir diesen nicht weiter behandeln; wenden wir uns den frühen „Menschenverbesserern“ unter dem realen Sozialismus und Bolschewismus zu…

 Frá Arnau de Rubens Figueroa

 Komtur des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

#24

gyges

, Deutschland

Zitat von: - admin -

Während man zur Zeit der großen griechischen Denker noch der generellen Auffassung folgte Menschen zerfielen von Geburt an in besondere Gruppen mit ungleichen Fähigkeiten und so die Sklaverei als angeborene hierarchische Klassifizierung sah, zu der auch Frauen und „Barbaren“ zu zählen seien, sollte das eigentliche Leben nur wenigen vorbehalten sein  – die übrigen waren nur lebendiges Werkzeug zum Nutzen des Gesamten -, griff die Aufklärung diese Vorstellung der Ungleichheit nicht nur auf, sondern verband diese mit unterschiedlich extremen rassistischen Vorstellungen. Selbst prominenteste Aufklärer glaubten ernsthaft an die naturgegebene Ungleichheit der Menschen, welche sie in verschiedene Gattungen gliedern wollten und diversen Nutzungen zu unterwerfen gedachten. Selbst Marx verteidigt die Kolonialherrschaft als Mittel die „Trägheit“ der menschlichen Entwicklung in asiatischen und afrikanischen Ländern zu überwinden. Der bekannte Schriftsteller H.G. Wells sah das Schicksal „jener Schwärme schwarzer und brauner und schmutzig-weißer und gelber Menschen, die nicht auf die Bedürfnisse der Leistungsfähigkeit im künftigen Weltstaat eingehen folgendermaßen: „Nun, die Welt ist eine Welt und kein Wohltätigkeitsinstitut und ich denke, sie werden gehen müssen. Die ganze Haltung und der Sinn der Welt, wie ich sie sehe, sagt, dass sie gehen müssen.

Solche Überlegungen waren unter den Fortschrittsdenkern jener Zeit üblich. Der Rassismus der Aufklärung zeichnet sich darin aus, dass er den Genozid  mit wissenschaftlichen Gründen und den Zeichen einer gewissen „Zivilisiertheit „ ausstattete.

Massenmord wurde mit pseudowissenschaftlichen und darwinistischen Ideen gerechtfertigt und das ausrotten ganzer Völker gutgeheißen, weil dies dem Fortschritt der Menschheit diene. Maßnahmen der „Volkshygiene“ wie Sterilisation von Behinderten finden sich bereits zur Jahrhundertwende in Großbritannien und den USA. ...

Danke für diesen kleinen geschichtlichen Ausflug ! Das zeigt mir nochmal wie bedenklich es ist, wenn sich heute noch jemand auf die "großen Philosophen" und "Weltverbesserer" beruft , die Dinge als Tatsachen darstellten, wie sie es aus heutiger wissenschaftlicher Sicht ( die etwas weniger voreingenommen sein dürfte als früher ) eben nicht sind. Die Kultur der Griechen und Römer benötigten eine Rechtfertigung, warum es richtig ist ohne schlechtem Gewissen Sklaven zu halten und andere Völker gnadenlos zu unterwerfen, sie auszubeuten und sich nach Lust und Laune an ihnen zu bedienen. Diese Rechtfertigung wurde von einigen Philosophen ebenso geliefert, wie manch andere Abartigkeit, die damals gängige Praxis war.

In modernerer Zeit waren es nicht mehr nur die Philosophen sondern auch die Wissenschaftler, die aus heutiger Sicht unsinnige Aussagen lieferten und damit  z.B. den Kolonialmächten mit ihren entsprechenden Ideologien zum Thema  Rassismus den Rücken stärkten und ihnen ebenfalls die entsprechenden Rechtfertigungen in die Hand gaben, daß ihre Länder das Recht hätten andere Länder zu besetzen und auszubeuten.

Keiner will sich schlecht dabei fühlen, wenn er andere ausbeutet, unterjocht oder sogar tötet. Nein - lieber legt man sich eine Ideologie zurecht, die einem das Gefühl gibt, daß es richtig ist und am besten holt man sich noch die Religion mit ins Boot, die einem sagt, daß es Gottes Wille ist, so zu handeln.

Das war früher so und das hat sich bis zum heutigen Tag nicht geändert. Selbst ein Mr. Bush hatte es noch nötig den göttlichen Auftrag für die  Bekämpfung des Terrorismus in Anspruch zu nehmen.

Was ich damit als Gedanken zum Ausdruck bringen möchte: Die Bewertung von Philosophien,  wissenschaftlichen Erkenntnissen und die Schlußfolgerungen daraus sind immer in Bezug zu dem zu sehen, was für Anschauungen damit gestärkt werden sollen. Häufig kommt es vor das dieselbe wissenschaftliche Erkenntnis für zwei völlig verschiedene Argumentationen gebraucht wird. Es kommt eben immer darauf an,  w a s   bewiesen werden soll.

Noch eine kleiner geschichtlicher Ausflug:

Die weiße Rasse wurde schon seit Jahrhunderten als die angeblich  bessere und hochwertigere Rasse betrachtet . Woher kommt diese verquere und  was die Fakten angeht völlig haltlose Denkweise aber überhaupt ?

Die katholische Kirche lehrte jahrhundertelang, die "Neger" seien eine verfluchte Rasse. John F. Maxwell sagt in seinem Buch "Slavery and the Catholic Church", daß dieser Standpunkt anscheinend „noch 1873 vertreten wurde, als Papst Pius IX. für ein Gebet Ablaß gewährte, in dem es hieß, daß ,Gott endlich den Fluch Chams [Hams] vom Herzen der unglücklichen Äthiopier in Zentralafrika entfernen möge.

Diese Ideologie hat Ihren Ursprung in einer Auslegung der Bibel. Man glaubte  über Jahrhunderte allgemein, daß der Fluch, den Noah über Kanaan aussprach, der Ursprung der schwarzen Rasse ist. Als Noah sagte: „Verflucht sei Kanaan, er werde der niedrigste Sklave seiner Brüder“, dann soll er damit  die Zukunft der schwarzen Rasse beschrieben haben.

Gruß gyges


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »gyges« (21.04.2012, 17:28)
#25

- admin -

Sydney, Australien

Die Lüge der überlegenen weißen Rasse  wird sich so schnell auch nicht aus den Köpfen der Menschen löschen lassen. Man müsste Bücher verbrennen und Ideologien endgültig international ächten. Sind wir ehrlich zu uns selbst, wird uns bewusst werden, dass daran niemand wirklich auch nur denkt. Selbst der endgültige Beweis, dass die Mär der überlegenen Rasse nur eine ideologische Verirrung ist, zeigt sich nicht geeignet noch immer manifestierte Verirrungen auszurotten – längst konnten durch intensive und umfassende genetische Stammbäume der Völker der Welt alle Zweifel ausgeräumt werden, dass die Europäer weder Kaukasier, noch Arier oder eine sonst spezifische auserwählte Gruppe sind. Ihre Vorfahren stammen von den unterschiedlichsten heimischen Urvölkern und von aus Innerasien zugewanderten germanischen Stämmen ab; und gerade diese Germanen sind mehr ein Brudervolk der Turkstämme, als auch nur ansatzweise Arier. Bedauerlicherweise findet man selbst in staatlich zugelassenen Bildungseinrichtungen in Deutschland noch immer intellektuelle Verirrungen und Irrwege, welche solche dramatische  geistige Fehlleistungen  in der Bildungsliteratur und im Lehrplan haben (Waldorfschule)  –  wer einmal genauer hinter die Ideologien des Rudolf Steiner schaut, findet hier beklagenswert niedrige Geisteshaltung im Sinne von Rassenlehre.

Aber bleiben wir bei unserem Thema, sonst wird dies zu weit thematisch überdehnt...

Frá Arnau de Rubens Figueroa

 Komtur des Tempels

 

P.S. Gyges wir möchten darum bitten keine kompletten Beiträge zu zitieren.


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »- admin -« (21.04.2012, 20:29)
#26

gyges

, Deutschland

Also sind wir uns in diesem Punkt ja schon mal einig!   aeg.Jubel.gif

Um auf die Eugenik zurück zu kommen:  Welche weiteren Kriterien gäbe es noch um im Sinne der Eugenik zu selektieren ???

Folgende Punkte haben wir jetzt zumindest teilweise behandelt:

- Genetische Merkmale bzw. eine mögliche Behinderung

- Rassen bzw. deren Merkmale 

Weitere wären dann noch möglicherweise :

-  die Gesundheit  ( das differenziere ich nochmal weil ja die meisten Krankheiten nicht durch Vererbung verursacht werden )

-  die Intelligenz 

-  die Bildung

-  die Abstammung ( Personen bestimmter Abstammung könnte man bevorzugen oder benachteiligen was ja jetzt schon bereits üblich ist )

-  die Nationalität  ? ( wäre aber irgendwie unsinnig . . . . )

-  bestimmte Idealvorstellungen was z.B. die Haarfarbe, Augenfarbe, Hautpigmention, Körpergröße  angeht ...

-  Charaktermerkmale bzw. bestimmte Wesenszüge

... mehr fällt mir jetzt nicht mehr ein. Vielleicht könnt ihr noch weitere ergänzen ?

 

#27

- admin -

Sydney, Australien

Wie wir bereits vorab andeuteten, finden wir die gesellschaftlich sanktionierten Anfänge einer tatsächlichen, ideologischen  Bestrebung zur Schaffung einer neuen, besseren menschlichen Art im Sowjet Bolschewismus. Wir sich einmal mit Leo Trotzkis Buch Literatur und Revolution näher auseinandersetzt, der wird unschwer erkennen, wie sich Trotzki die Transformation des menschlichen Lebens vorstellte. Er beschreibt hier keinen gesellschaftlichen Wandel, nein, was er für die Zukunft der Menschheit voraussieht, sind dramatische Veränderungen der Biologie der Spezies Sapiens:

„ Das Leben, selbst das rein psychische, wird zu einem kollektiv-experimentellen werden. Das Menschengeschlecht, der erstarrte Homo sapiens, wird erneut radikal umgearbeitet und – unter seinen eigenen Händen – zum Objekt kompliziertester Methoden der künstlichen Auslese und des psychophysischen Trainings werden. […] Bis zu welchem Ausmaß der Selbstbeherrschung der Mensch der Zukunft es bringen wird – das ist ebenso schwer vorauszusehen wie jene Höhen, zu denen er seine Technik führen wird. Der gesellschaftliche Aufbau und die psychisch-physische Selbsterziehung werden zu zwei Seiten ein und desselben Prozesses werden. Die Künste: Wortkunst, Theater, bildende Kunst, Musik und Architektur – werden diesem Prozess eine herrliche Form verleihen. Genauer gesagt: Jene Hülle, in die sich der Prozess des kulturellen Aufbaus und der Selbsterziehung des kommunistischen Menschen kleiden wird, wird alle Lebenselemente der gegenwärtigen Künste bis zur Leistungsfähigkeit entfalten. Der Mensch wird unvergleichlich viel stärker, klüger und feiner; sein Körper wird harmonischer, seine Bewegungen werden rhythmischer und seine Stimme wird musikalischer werden. Die Formen des Alltagslebens werden dynamische Theatralität annehmen. Der durchschnittliche Menschentyp wird sich bis zum Niveau von Aristoteles, Goethe oder Marx erheben. Und über dieser Gebirgskette werden neue Gipfel aufragen.“

 Trotzki will die Geschichte als einen Prozess verstanden wissen, in dem die Menschen die Herrschaft über sich selbst und über die ganze Welt erlangen. Der Mehrung des menschlichen Wissens wie dem ethischen und politischen Fortschritt werden keine Grenzen gesetzt sein. Dort wo das Wesen des Menschen Schwachstellen aufweist, wird die Wissenschaft diese beheben können. Diese Idee ist dem radikalen Denken der Aufklärung entlehnt und ist bezeichnend für den Begriff Perfektibilität und die Phantasie grenzenloser Möglichkeiten des Menschen. Die Vision, dass die Wissenschaft dieser Vervollkommnung des Menschen dienen wird, findet sich in vielen Ideologien die auf den Ideen der Aufklärung basieren und selbst in der Jetztzeit sind diese bei einer deutlichen Mehrheit zu einem festen Glauben manifestiert, welcher die Wissenschaft als Befreier des Menschen von seinen natürlichen Grenzen sieht.

Den Bolschewiken  zählte die Schaffung eines neuen Menschen zu den wichtigsten Zielen ihrer Ideologie. Sie verfolgten dabei keineswegs rassistische Ziele, waren aber zur Erreichung dieses Zieles bereit, alle greifbaren wissenschaftlichen und auch pseudowissenschaftlichen Methoden einzusetzen. Es galt die menschliche Natur zu modifizieren um den  sozialistischen Menschen zu erschaffen. Rein wissenschaftlich betrachtet gab es zur damaligen Zeit keinerlei Ansatzpunkte für solch ein Projekt – doch die Bolschewiken scheuten nicht davor zurück, sich jeder Möglichkeit und Methode zu bedienen, wie fragwürdig oder inhuman sie auch sein mochte, solange sie diese nur für geeignet erachteten, einen Weg zu der erträumten Transformation zu eröffnen. Die Wissenschaft wurde für Zwecke des politischen Terrors pervertiert. Im Moskauer Lubjanka-Gefängnis führte man medizinische Experimente, im Sinne der Vervollkommnung, an Menschen durch – Gefangene aus Polen, Korea, China, Japan und Deutschland und an politischen Gefangenen (Nationalisten), darunter auch Juden. Diese Art von Wissenschaft wurde zu einem tragenden Element des totalitären Staates. Auf dem Gebiet der agrarwissenschaftlichen Forschung trat insbesondere Trofim Lysseno aus dem Schatten der Heerscharen an willigen Forschern hervor. Er entwickelte derart hanebüchene Ideen, auf deren Grundlage großflächige Experimente so dramatische Auswirkungen hatten, dass  sogar die mit der Kollektivierung einhergehende Nahrungsmittelknappheit weiter verschärft wurde. Nichtsdestotrotz verfolgte man z.B. seine Ideen zur Züchtung von Weizenkörnern in einer Größe, dass von einem Korn ein ganzes Brot zu backen sei, bis in die 1960er Jahre. Die gesamte Entwicklung der Biologie in der UdSSR und in China wurde dadurch maßgeblich beeinflusst und beeinträchtigt. Doch noch weitaus dramatischer – und für unser obiges Thema interessanter -  waren die Arbeiten von Ilja Iwanow, der von Stalin den Auftrag erhielt Menschen mit Menschenaffen zu kreuzen. Stalin wollte kein Volk vom Schlage eines Aristoteles oder Goethe – er wollte eine neue Art von Soldaten – , extrem schmerzunempfindlich, welches wenig Nahrung und Schlaf benötigte und bedingungslos folgsam war. Iwanow wandte sich der Primatenforschung zu und reiste nach Afrika um dort Experimente mit der Befruchtung von Schimpansenweibchen durchzuführen. Auch noch extremere Experimente halfen ihm jedoch nicht sein Forschungsziel zu verwirklichen. Der russische Psychologe Iwan Pawlow pries in einem Nachruf Iwanows Leben für den Bolschewismus und sein Lebenswerk. Stalins Anforderungen an den neuen Menschen waren durchaus praxisorientiert und bereits in der Aufklärung tauchte die Idee der Erschaffung eines neuen, überlegenen Menschen immer wieder auf. Die Bolschewiken entwickelten lediglich eine sehr radikale Strömung aufklärerischen Denkens, die das menschliche Leben grundlegend und unwiderruflich umgestalten wollte.

  Frá Arnau de Rubens Figueroa

 Komtur des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Frá Theodor« (09.05.2012, 09:37)
#28

- admin -

Sydney, Australien

Eine Frage der Ethik?

Vor allem in Europa wurde Ethik insbesondere in den Medien aus scheinheiliger „politischer Korrektheit“  auf eine Art und Weise propagiert, welche sowohl das säkulare Denken als auch den religiösen Glauben in keinster Weise „gefühlt“ negativ touchieren durfte. Man suchte alle Möglichkeiten auszuschöpfen das „Europäische Denken“ in einen gemeinsamen Rahmen zu pressen und diesen dem Rest der Welt überzustülpen. Die Angst der Massen vor wissenschaftlichen Außenseitern, die sich der Perspektive zu verschreiben suchen ihre biologische Evolution selbst in die Hand zu nehmen, wird Öffentlichkeitswirksam in den utopischsten Schreckensszenarien sensationspopulistisch ausgemalt, ohne überhaupt die Grenzen menschlichen Handelns auch nur zu erwähnen oder als Möglichkeit zu berücksichtigen. Das führte sogar dazu, dass  völkerkundliche Fakten aus der Dritten Welt gezielt  unterdrückt wurden, sobald diese ethische Themen berührten.

Schon häufiger wurde über das Thema geschrieben, dass der Tempel  im Rahmen seiner sozialen Engagements, sich insbesondere dem Schutz bedrohter Völker widmet. Hierzu zählen auch die letzten frei lebenden Indiostämme Südamerikas. So sollte es niemanden verwundern, dass sich die dort eingesetzten Fachkräfte des Tempels sehr genau mit den Stammestraditionen und gelebten Überlieferungen der einzelnen Stämme auskennen und daher kleinere und auch größere Probleme dieser Völker beim Zusammenprall und der ständigen Bedrohung durch die „Zivilisation“ genau verfolgen und gegebenenfalls auch regulierend bis neutralisierend eingreifen. Wir möchten zum Thema Ethik hier manifestierte Stammestraditionen vorstellen, welche in westlichen und anderen abrahamitisch geprägten Kulturen auf völliges Unverständnis, selbst aggressiven Hass treffen und in religiösen Kreisen zu regelrechtem Missionierungszwang zu führen geeignet erscheinen. Es geht um das Hauptthema Kindstötung aus ethischen Beweggründen. Wir finden diese Sitte bei den meisten autark lebenden Indiostämmen des Amazonas und des Alto Xingu. Es sollte hier niemanden verwundern, dass viele christliche Glaubensgemeinschaften hier Niederlassungen im Grenzgebiet zu diesen Völkern aufbauten, um diese zu missionieren und ihnen mit den „Worten Gottes“ die westlichen Vorstellungen von Moral und Ethik zu verinnerlichen. Insbesondere baptistische Nonnen haben Geburtsstationen eingerichtet und locken die Indianerfrauen mit Geschenken und Versprechen auf ewiges Seelenheil hierher,  um ihre Kinder zu gebären. Der tatsächliche Hintergrund ist jedoch in der Sitte der Kindstötung zu sehen.  Die  Indiomütter verschiedener Stämme halten weiterhin an dem Brauch fest, mit Missbildungen wie Blindheit, Glieder-  oder Bewegungsschäden zur Welt gekommene Babys sofort zu töten. Nach indianischer Logik wären diese Kinder unter den harten Bedingungen der Wildnis nicht überlebensfähig. Häufiger konnten wir bei der Beobachtung solcher Bastionen des Christentums Vorfälle registrieren, die den dort nur unzureichend vorgebildeten und informierten Hebammen und Nonnen das Entsetzen in die römisch katholische Seele trieben.  So gab es Fälle in denen die wirklich gutmeinenden Nonnen den Müttern z.B. eines Jungen mit missgebildetem Geschlecht und einem Mädchen mit Down Syndrom die Missbildungen erklärten und sie daraufhin kurzzeitig alleine ließen. Die Frauen töteten die Kinder sofort und verließen die Station. Niemand  kann diese dafür anklagen, da inzwischen  kraft Gesetzes nicht akkulturierte Indios als strafunmündig angesehen werden.

Auch die staatliche Indianerschutzbehörde FUNAI in Brasilien und Kolumbien bestätigt, dass die von ihnen betreuten über zehntausend Yanomami-Indios keine Kinder mit Geburtsfehlern aufziehen: “Wenn ein Baby mit einem physischen Problem zur Welt kommt, das später verhindert, alle erforderlichen Lebensfunktionen im Urwald zu übernehmen, wird es sofort eliminiert.“

Auch konnte inzwischen wissenschaftlich bestätigt werden,  dass bei den noch traditionell lebenden Stämmen zudem bei Zwillingsgeburten stets eines der beiden Babys getötet wird. Die Mütter sehen es als unmöglich an, sich im komplizierten Urwaldalltag um zwei Kinder gleichzeitig zu kümmern und daneben auch noch die Wildnis zu durchstreifen und alle nötigen Arbeiten zu tun. Jedes erwachsene Individuum muss dazu fähig sein, ohne fremde Hilfe zu überleben.

Die Mütter, verscharren Kinder mit Behinderungen, aber auch solche, die das Resultat von Ehebruch, Inzest oder sexueller Gewalt sind, sofort nach der Geburt. Zudem gibt es Stämme, die beide Zwillinge töten. Nach deren Glauben ist eines der Kinder gut, das andere böse. Da man nicht wisse, welches das gute sei, opfere man eben beide.

 

Derartiges schockiert die abrahamitisch und westlich säkular orientierten  Gesellschaften – aber diese vergessen, dass sie selbst doch bedeutend heiklere Dinge provozieren, die nicht den geringsten Nutzen bringen. In einer indianischen Gemeinde ist jeder einzelne verantwortlich für alles, was er isst und benutzt. Ein Behinderter kann nicht richtig jagen und der ständig in Bewegung befindlichen Gesellschaft folgen. Man muss einfach begreifen und sehen, dass sich eine Indiomutter vom Morgen bis in die Nacht um ihr Kind kümmert. Sie wird erst dann ein weiteres Kind bekommen, wenn das andere nicht mehr gestillt werden muss und relative Selbstständigkeit entwickelt hat. Der Tempel respektiert dieses Verhalten der Indios  auch wenn solches Handeln manchmal durchaus wehtut. Es ist ein seit Jahrtausenden gepflegtes Traditionshandeln und entspricht der evolutionären Logik – daher trat der Tempel in der Vergangenheit sehr entschlossen für die staatliche Anerkennung  dieser  Indianerrechte ein.

Wir wissen aber auch von Leuten, die hier massiv eingreifen. Indianergruppen, die im Einflussbereich kirchlicher Missionsstationen leben, haben überwiegend den Brauch der Kindstötung abgelegt und ließen sich davon überzeugen, dass es sich dabei um eine „Sünde“ handele. Die Meisten dieser Zivilisationsopfer lassen, um dem Gewissenskonflikt zwischen Tradition und Glauben zu entgehen, durch Nonnen jene Kinder aufziehen, die andernfalls getötet worden wären.

 

In der Vergangenheit beschrieben viele Brasilienreisende die Schönheit und Makellosigkeit der indianischen Körper. „Die Europäer, mit einer ganzen Serie von Krankheiten befallen, trafen auf dunkelhäutige Indianer, mit schöner, glatter Haut. Physische und geistige Defekte waren mit der Zeit durch den Infantizid eliminiert worden,  durch eine tradierte Auswahl der besten Gene“.

Frá Arnau de Rubens Figueroa

Komtur des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »- admin -« (19.05.2012, 10:47)
#29

- admin -

Sydney, Australien

Der Weg zur Weisheit? ...oder begehrliches Streben nach Wissen?  © PCMTH

 Einer der begabtesten Wissenschaftler des letzten Jahrhunderts schrieb, nachdem er das Ausmaß seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in seiner ganzen Tragweite  begriff, einen sehr tiefgründigen Satz: »In einem ganz elementaren Sinn des Wortes, der sich durch keine Bagatellisierung, keinen Scherz, keine Übertreibung aus der Welt schaffen lässt, haben die Naturwissenschaftler die Sünde kennen gelernt.«

Aufgrund  vieler in der Öffentlichkeit und den Medien, überwiegend auf religiös fundiertem Hintergrund,  kontrovers vorgetragenen Standpunkte zur Wissenschaft, welche teilweise auf einem Niveau vorgetragen werden, die schon als abartig zu bezeichnen sind, entwickelten wir  hierzu ein paar grundsätzliche Gedanken  -  ist es nicht erschreckend, dass solche Leute, welche die von ihnen vertretene Religionsauffassung von der Wissenschaft angegriffen sehen, diese dann grundsätzlich als unwissenschaftlich oder gar unfähig bezeichnen, selbige aber dann auf fragwürdige wissenschaftliche Behauptungen von zweifelhaften Wissenschaftlern zurückgreifen, wenn es gilt ihre eigenen abwegigen Standpunkte zu vertreten.

Sind wir wirklich so tief gesunken, dass Wissenschaft nur noch zum Missbrauch für egozentrische, machtbesessene Möchtegern-Messiasse taugt? Ist der Gedanke der „freien“ Wissenschaft verloren gegangen?

Zu Newtons Zeiten  war eine im Wesentlichen hermetische Einstellung zur Wirklichkeit - eine allumfassende, alles einbeziehende, einheitliche Weltanschauung - noch möglich. Doch seitdem hat sich die Welt sehr verändert. Die Welt, die wir heute bewohnen, ist eine Welt, in der, wie einmal gesagt worden ist, der Verstand »Moralsysteme entwirft, deren Grundprinzip der gesellschaftliche Nutzen ist«. Diese Welt ist das Produkt der so genannten »Aufklärung«  bzw. des »Zeitalters der Vernunft«. Seit dem Triumph des cartesianischen Denkens zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat die westliche Zivilisation die Analyse auf Kosten der Synthese, den Mechanismus auf Kosten des Organismus verherrlicht. Eine Folge davon war hemmungslose Spezialisierung und damit einhergehende Fragmentierung.

Statt eines einzigen, alles durchdringenden Erkenntnisprinzips, das der Gesamtheit des menschlichen Handelns Sinn verleiht, gibt es nun eine Vielzahl konkurrierender Prinzipien, eins mit dem anderen wetteifernd, eins mit dem anderen um die Vorherrschaft kämpfend und um unsere Gunst buhlend. Jeder dieser miteinander konkurrierenden Wissensbereiche ernennt sich selbst zu einer »Disziplin«. Und jede Disziplin bildet eine Art Kult aus, mit eigener Priesterschaft und eigener »Theologie«. Kunst, Naturwissenschaft, Psychologie, Soziologie, Geschichte, Wirtschaftswissenschaften, politische Wissenschaften und Religion, ebenso die zahlreichen und häufig divergierenden »Denominationen«  innerhalb jedes Bereiches - sie alle besitzen ihre eigenen Hohepriester, die jeweils für die Verbreitung eines hochspezialisierten Dogmengebäudes eintreten. Jede Priesterschaft besitzt ihre eigenen Mysterien, die sich normalerweise hinter dem Vorhang eines verwirrenden Jargons verbergen und für alle, außer dem Eingeweihten, unzugänglich sind. Und jede dieser Priesterschaften muss, wie es bei Priesterschaften immer der Fall ist, ihre Interessen schützen, weswegen »Häretiker«  exkommuniziert werden.

Für die unglückliche Menschheit aber, die nach Bedeutung, Sinn und Ziel ihres Daseins sucht, ist das Resultat bestürzend. Wir sehen uns heute einer verwirrenden Vielfalt einander widersprechender »absoluter«  Aussagen gegenüber, deren jede behauptet, die gesuchten Antworten zu besitzen und auf ihre eigene individuelle Interpretation der Wirklichkeit pocht. Chemie, Biologie und Physik - und die Kombinationen dieser Wissenschaftszweige -, sie alle behaupten, die absolute Wahrheit zu kennen. In starkem Gegensatz dazu erheben die organisierten Religionen und besonders der religiöse Fundamentalismus ebenfalls ihre Stimme, genauso die Soziologie, Psychologie und politische Wissenschaft. Und dann gibt es natürlich noch die zahllosen Ismen, die in den letzten eineinhalb Jahrhunderten ins Kraut geschossen sind: Marxismus, Bolschewismus, Maoismus, Faschismus, Kapitalismus, Monetarismus und so weiter. Wie kann aber nun der einzelne, der sich diesem Lärm rivalisierender und oft einander ausschließender Ansprüche auf die alleinseligmachende Wahrheit gegenübersieht, eine vernünftige Auswahl treffen, vor allem, wenn es ihm durch die jeweilige Priesterschaft weitgehend unmöglich gemacht wird, die Gültigkeit eines Anspruchs zu prüfen, und er sich diesen Dingen in gutem Glauben nähern muss ?

Eine Folge dieser Schwierigkeit ist, dass  Menschen geneigt sind, sich dem Anspruch zuzuwenden, der der »sicherste«  zu sein scheint, der das wenigste Engagement erfordert und das geringste Risiko bedeutet. Leider wird ein solcher Anspruch aber auch immer der anspruchsloseste sein. Zum Beispiel sind die meisten Leute heute ohne weiteres bereit, blind zu glauben, dass  sie und die sie umgebende Welt aus Molekülen bestehen und dass  Moleküle aus Atomen, Atome aus Protonen, Neutronen und Elektronen aufgebaut sind, die ihrerseits wieder aus Myriaden kleinerer Teilchen bestehen. Und ohne den Begriff »Lichtjahr«  wirklich zu verstehen, sind die meisten Leute ganz ähnlich bereit, guten Glaubens zu akzeptieren, dass zum Beispiel der Sirius eine bestimmte Anzahl von Lichtjahren von der Erde entfernt ist. Doch können solche unhinterfragten »Glaubensartikel«  uns helfen, unser Leben zu leben, Entscheidungen zu treffen, irgendeinen Sinn, eine Bedeutung, ein Ziel für unser Dasein zu gewinnen?

Können uns solche »Glaubensartikel«  helfen, den Kurs unseres Handelns zu bestimmen, oder können sie den Grund für eine Ethik, einen moralischen Imperativ, eine Wertehierarchie legen? Was dies betrifft, leben wir in einer Situation, in der die Bedingtheit der Perspektive in erkenntnistheoretische Panik übergeht.

 Die frühe hermetische Philosophie war von der gegenseitigen Verbundenheit und Verknüpfung aller Dinge ausgegangen. Zog man an einem Faden im Gewebe der Wirklichkeit, so spannte man irgendwo anders einen Faden an oder trennte ihn auf. Die Kernphysiker waren, falls sie überhaupt an etwas glaubten, von der Allgemeingültigkeit dieser Voraussetzung überzeugt und übersetzten die ihr zugrunde liegende Theorie in eine nur allzu gut anwendbare Praxis. Auch fanden die Kernphysiker in den analogen Strukturen des Atoms und des Sonnensystems eine Art Bestätigung für die alte hermetische Lehre von Makrokosmos und Mikrokosmos. Damit hat die moderne Naturwissenschaft im Grunde das hermetische Prinzip der Verbundenheit aller Dinge, übernommen, ohne es natürlich beim Namen zu nennen oder seine Herkunft zu kennen. Die Vorstellung eines miteinander verknüpften Mikrokosmos und Makrokosmos mag, buchstäblich genommen, für den wissenschaftlichen Empirismus zu metaphysisch sein. Doch wird er das Prinzip der gegenseitigen Verbundenheit aller Dinge nicht in Frage stellen. Jedes Schulkind zum Beispiel lernt den Kreislauf des verdampfenden Wassers und der darauf folgenden Niederschläge oder den Kreislauf von Wachstum und Verfall. Und wenige einigermaßen informierte Menschen können heute die Augen vor der Tatsache verschließen, dass  der doch so weit entfernte brasilianische Regenwald trotzdem einen Einfluss  auf ihr eigenes Leben ausübt. Umweltenqueten konfrontieren uns tagtäglich mit der Notwendigkeit, unseren Planeten als lebendigen und äußerst bedrohten Organismus aufzufassen, dessen Vergewaltigung, mag sie sich auch in weiter Feme abspielen, Auswirkungen auf unser eigenes Dasein hat. Der Gedanke ist inzwischen Allgemeingut geworden, dass  die Ressourcen unserer Erde nicht unerschöpflich, sondern begrenzt sind und dass  wir ihrer Erschöpfung gefährlich nahe gekommen sind. Allgemeingut ist auch die Einsicht, dass  winzige Handlungen Konsequenzen katastrophalen, ja apokalyptischen Ausmaßes haben können - das ist eine Anwendung des Schneeballeffektes der Chaostheorie. Eine in der Privatheit unseres Badezimmers versprühte Dose mit FCKW hat Auswirkungen auf die Ozonschicht. Ein Feuer mit Herbstblättern im Garten trägt zum Treibhauseffekt bei. Die Gifte, mit denen wir unsere Umwelt verschmutzen, kommen in der Nahrung, die wir essen, im Wasser, das wir trinken, und in der Luft, die wir atmen, zu uns zurück. Wie die Hermetiker des alten Alexandria immer betont haben, stehen wir in Wechselbeziehung zur Natur und sind ein untrennbarer Teil von ihr.

In vieler Hinsicht haben allerdings die cartesianische Methode, der rationalistische Empirismus und die wissenschaftliche Analyse unbestreitbare Triumphe gefeiert. Organtransplantationen zum Beispiel sind heutzutage schon normal, und man kann Organe wie Maschinenteile ersetzen oder schon bald gar herstellen. Insofern hat sich die Mentalität der Aufklärung rentiert und bestätigt. Nur allzu oft indessen vergessen ihre Vertreter, inwiefern sich die alternative Einstellung, die der hermetischen Integration und Synthese, ebenfalls bestätigt hat. Allzu oft verlieren sie aus dem Blick, bis zu welchem Grad sie selbst sie vertreten und von ihr abhängig sind.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts zum Beispiel hatten sich Biologie, Chemie und Physik zu drei separaten, autonomen Disziplinen entwickelt: jede ein Spezialgebiet, eine in sich abgeschlossene Welt. Nur allmählich und sehr zögernd wurden dann Verknüpfungen zwischen ihnen hergestellt, wodurch Forschungsbereiche wie Astrophysik, Biophysik und Biochemie entstanden. Dabei wurden diese angeblich neuen Forschungsbereiche als höchst innovativ und revolutionär gepriesen.

Und doch spiegeln sie nur wieder, was letzten Endes schon immer die Realität war - die Realität, wie sie von Männern vom Schlage eines Agrippa, Bruno und Paracelsus gesehen wurde. Sie spiegeln eine Einheit wider, die existierte, lange bevor der analytische Prozess  eine künstliche Trennung zwischen ihren Konstituenten und Komponenten hervorrief. In Wirklichkeit sind Biologie, Chemie und Physik schon immer miteinander verknüpft gewesen, und die cartesianische Wissenschaft befand sich im Irrtum, als sie sie zu getrennten Sphären erklärte. In Gebieten wie der Umweltforschung entdeckt also die Wissenschaft heute wieder das hermetische Prinzip der Verknüpfung aller Dinge und findet entsprechende Bestätigungen. Auch ist die Wissenschaft zurzeit damit beschäftigt, ihre Unterteilungen zu reintegrieren und zur Synthese zu führen - was ein eigentlich hermetisches Verfahren ist. Doch weigert sie sich noch, eine ähnliche Reintegration und Synthese mit anderen Wissensbereichen vorzunehmen, anderen Gebieten schöpferischen Wirkens des Menschen, mit der Philosophie zum Beispiel, der organisierten Religion, der Psychologie oder mit den Künsten. Zu diesen Bereichen steht die Naturwissenschaft mehr oder weniger in offener oder verdeckter Opposition. Und solange diese Opposition anhält, wird das Wissen fragmentiert und fragmentarisch bleiben, wird es mehr den Charakter von Information als von Weisheit besitzen. Diese Situation spiegelt sich auch im modernen Bildungswesen wider und wird von ihm verfestigt. Im Idealfall und theoretisch soll unser Bildungssystem gewährleisten, dass  die Lernenden sich mehr und mehr Wissen aneignen. Dieser Prozess  sollte an der Universität seinen krönenden Abschluss  finden, die, wie ja schon ihr Name sagt, Wissensinhalte und Perspektiven von »universellem«  Ausmaß  vermittelt und die Totalität menschlichen Wissens umfasst. In der Praxis jedoch führt unser Bildungssystem zum genauen Gegenteil. Die moderne Universität ist kaum noch »universell«, vielmehr eine Institution, die der Weitergabe von spezialisiertem Wissen dient. Das Wissen ist strengstens in Schubladen eingeteilt. Jedes Gebiet, jede Disziplin ist von allen anderen isoliert und getrennt. Dieses Schubladendasein der Wissenschaft ist ein Erbe und eine Widerspiegelung der cartesianischen Wissenschaft und des rationalistischen Empirismus.

Die Naturwissenschaft hat wenig Interesse daran, Verbindung mit anderen Arten des Wissens aufzunehmen, und ebenso wenig Interesse daran, Verbindung mit etwas noch Wichtigerem herzustellen: mit ethischen Zusammenhängen, mit einem Sinn für moralische Verantwortung und einer Wertehierarchie. Natürlich gibt es Ausnahmen: Einstein zum Beispiel. Und da die Wissenschaft heute mehr und mehr auf Neuland vordringt, werden sich immer mehr Naturwissenschaftler der Notwendigkeit bewusst, sich selbst moralische Schranken zu setzen und einer Art moralischem Imperativ zu folgen. Doch im Großen und Ganzen würden sie in ihrer Mehrzahl mit Wernher von Braun und dessen Feststellung einig gehen, dass  Wissenschaft »an sich keine moralische Dimension«  besitzt und dass selbst die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen »ethisch neutral«  ist. So wird es möglich, dass  etwa ein angesehener Professor, berühmter Pionier der Embryoforschung und prominentes Mitglied der Royal Society, über die ethischen Implikationen der Gentechnologie schreibt: »Das ist kein Thema für den Wissenschaftler - nur für die Öffentlichkeit [...] Selbst im Hinblick auf die Implantation von Genen in menschliche Zellen ist es nicht Aufgabe des Wissenschaftlers oder Arztes, darüber zu entscheiden, ob solche Verfahren klug oder tunlich sind.«

Dieser Professor schien fast erstaunt darüber zu sein, dass  seine Einstellung ethische Bedenken hervorrufen könnte, wenn er schließlich die Frage aufwirft: »Was wäre [...] denn so schlimm an einer >Supermarkt<-Lösung, bei der Gene zu einem bestimmten Preis und mit entsprechenden Hinweisen über mögliche Nebeneffekte versehen, angeboten würden? «Und während sich der Professor verteidigt, liefert er eine außergewöhnlich moderne Neuformulierung der alten cartesianischen Methodik, indem er jede Synthese verdammt und nur der Analyse das Wort redet: »Jede in ihrem Kern holistische Philosophie muss  notwendig auf Antiwissenschaft hinauslaufen, da sie ausschließt, dass  Teile eines Systems für sich untersucht werden - dass  Teile isoliert und in ihrem Verhalten ohne Bezug auf alles übrige erforscht werden.«  Das ist genau die Stimme des zeitgenössischen Faust. Es ist nicht die Stimme des Faust der Renaissance, der lediglich - und zu Recht – die engen Vorschriften und Inhalte der strengen jüdisch-christlichen Moral in Frage stellte. Es ist vielmehr die Stimme des für das 21. Jahrhundert typischen Faust, der in seinem Streben nach Wissen statt nach Weisheit die Grundwerte menschlicher Existenz leugnet.

Zumindest einige Wissenschaftler sind sich des faustischen Charakters ihrer Bestrebungen durchaus bewusst. Einige von ihnen verglichen sich ausdrücklich mit Faust und Prometheus und waren davon überzeugt, sie seien einem kosmischen Mysterium auf der Spur. Mehr als einer von ihnen berichtete, er habe sich gefragt, ob ihre Arbeiten nicht vielleicht die Grundstrukturen der Schöpfung zerstören und sie unmittelbar vors Angesicht Gottes bringen könnten - und wäre es auch nur ein Gott in Form reiner Energie.

Auf der einen Seite findet sich der positive Typus des Wissenschaftlers: der Hohepriester mit heilenden Kräften, Wächter über erhabene Mysterien, dem Fortschritt dienend, die Welt revolutionierend, das menschliche Leben verbessernd und fähig,  Arzneien für jedes Übel zu finden. Und auf der anderen Seite der negative Typus: der uns allen vertraute exzentrisch verbohrte Fachidiot oder das gewissenlose bis wahnsinnige und in der Regel verkannte Pseudo-Genie welches vielleicht schon für etwas Anerkennung oder Öffentlichkeit, meist aber wie eine Hure gegen  gute Bezahlung, bereit ist die ganze Zunft zu verraten und in Frage zu stellen. All diese Gestalten sind, ob kreativ oder destruktiv, eigentliche Magier-Gestalten. Sie verkörpern für viele den Magier unserer Zeit, sie sind eine der Verkleidungen, in denen Faust weiterlebt und weiterwirkt. Alle stützen sich auf die Grundvoraussetzung der hermetischen Magie: Sie nutzen das Prinzip der gegenseitigen Verbundenheit aller Dinge, um »Dinge geschehen zu lassen«.

Sollten wir wirklich alles einfach geschehen lassen!

Auszug aus dem Buch <Der Weg zur Weisheit? Kap. 3  …oder begehrliches Streben nach Wissen?  >,  Rodrigo de Beaujeu © 2001 PCMTH


Frá Arnau de Rubens Figueroa

Komtur des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -


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Danke für das Einstellen des Beitrages Frá Arnau. Wurde der Text ins deutsche übersetzt oder lag er bereits in dieser Form vor?
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