Unsere Medien haben es uns schon vor Tagen freudig angekündigt, die Muslime begehen mal wieder ihre sehr eigene Vorstellung von Fasten. Aber darauf will ich gar nicht erst eingehen, sondern viel mehr auf das Fasten in der Historik.

Bei Wikipedia (sorry, aber google gibt nicht viel mehr her) finden wir einen Hinweis, dass die Ägypter (schon wieder die!) das Fasten schon kannten, allerdings ging es anscheindend weniger um die Sorge der menschlichen Gesundheit sondern viel mehr um die Schonzeit bei Fischen. Soll wohl heißen, es war zu einer gewissen Zeit verboten Fische zu essen, wenn diese für Nachwuchs sorgten. Ist zwar kein dringendes Thema, aber wenn ihr trotzdem ein paar Sätze zu dem Thema schreiben könntet?

 

 

#2

Frá David

Tel Aviv, Israel

Ramadan selbst wird nach "dem Mondkalender" berechnet - also einer Zählweise, die ebenfalls aus dem alten Ägypten stammt. Selbst die Ernährungsregeln des Islam sind aus dieser Zeit entlehnt - jedoch über den Umweg Jerusalem - Mekka, durch für Ägypter der Frühzeit untragbare Regeln pervertiert worden. In der koptischen Liturgie richten sich die religiösen Feste noch immer nach dem ursprünglichen altägyptischen Kalender. Entsprechend sind die Mondmonate des ägyptischen Mondkalenders auch heute noch der jeweiligen Jahreszeit zugeordnet Die ägyptischen Kopten der Jetztzeit haben sich in vielen religiösen Riten und Gebräuchen auf den reichen kulturellen und religiösen Schatz des Alten Reiches zurück besonnen, so auch in Bezug auf die teilweise strengen Fastenzeiten, welche heute im christlichen Aspekt ausgelegt werden, ihren Ursprung jedoch tatsächlich überwiegend im Umwelt und Naturschutz hatten. Verbote betrafen nicht nur den Verzehr von bestimmten Fischen zu genau festgelegten Zeiten, man fand gleiches auch für viele andere Tierarten und insbesondere solche, welche in bestimmten Gauen als "Heilig" verehrt wurden, weil diese in irgend einem Kontext zum dort gepflegten Kult standen. Durch diese Regelungen und recht rigoros durchgesetzten Bräuche kam es im Reich zu 193 religiösen Festtagen im Jahr zuzüglich der Epagomenen (Zusatztage) welche das Gemeinjahr auf 365 Tage erhöhten, kam man also auf 203 Festtage, welche zwar als „schöne Tage“ ausgesprochen festlich begangen wurden mit Zeremonien, Tanz, Theater, Speisen und Trinken, welche aber auch die Tage mit den jeweils strengen Schutzregeln waren. Diese betrafen den jeweils gepflegten Kult – wer kein Lamm essen sollte, der aß eben Schwein, wer kein Rind essen durfte, nahm Lamm, statt Fisch taten es eben auch frisch gefangene Gänse oder andere Wasservögel und das Rindfleischverbot im Tempel des Apis konnte  auch durch ein saftiges Nilpferdsteak umgangen werden. Streng eingehalten wurde also der Kult und verbotene Zonen oder Felder, Wälder und sonstige Gebiete wurden an den betreffenden Tagen natürlich absolut gemieden. Wirklich fasten war für die breite Masse nicht angesagt – solche Regelungen fand man in einigen Tempeln und Kulten für Priester und „Hohe Persönlichkeiten“ insbesondere im Osiris-Kult – im Übrigen bestanden nach den Tempelregeln ja auch die dort verehrten Götter auf drei Mahlzeiten pro Tag und nahezu alle Riten und Handlungen im Ablauf des religiösen Alltags hatten mit Speis- und Trankopfern zu tun.


Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal bearbeitet, zuletzt von »Frá Ramon« (24.07.2014, 18:46)
#3
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Unbekannt

Gelöscht

Interessant, man lernt auf euren Seiten immer viel dazu. Danke für deine Frage Andreas ich wäre von selbst nicht drauf gekommen.Top

Danke, Frá David,

und bitte, Jamie, tue ich doch immer wieder gern!

Hier zeigt sich wunderschön, welche positive Lebenshaltung die Ägypter hatten. Selbst aus einem Verbot machten sie eine Party!

Ganz leicht schwingt diese Form des "Fastens" offenbar noch am Karfreitag bis heute mit, wo bekanntlich den Katholiken der Verzehr von Fleisch verboten ist, da ist man dann halt einfach mal Fisch.

 

 

#5

Dennis

Biere, Deutschland

Meine Frau hat sich in den Kopf gesetzt zu fasten da sie ja jetzt die Zeit dazu hat. Ich riet ihr darauf zumindest in dieser Zeit zu verzichten da der Körper geschwächt ist. Aber auch sonst halte ich nicht viel davon dies unter einem gesundheitlichen Aspekt zu betrachten und auszuführen. Sie hat sich nun viel informiert im Netz und fragte mich gestern ob ich nicht mal den Orden fragen könnte was er davon hält.

Ist es ratsam zu fasten im Sinne von nur Flüssignahrung zu sich zu nehmen? Macht es Sinn und es es wirklich so hilfreich wie es von vielen dargestellt wird?


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

Ich persönlich würde ihr dringend davon abraten. Diese "Halb-Quarantäne" (so nenne ich das mal) in der wir alle leben, ist psychisch sehr belastend. Vielleicht nicht in der ersten Woche, aber ab der zweiten oder dritten wird das ganze schon deutlich mühsamer. Und wenn jetzt bei deiner Frau noch der Hunger und vielleicht Mangelernährung dazu kommt, dann will ich nicht in deiner Haut stecken.  Ich fürchte, dann könnte deine Frau unerträglich werden.


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »andreas« (24.03.2020, 20:14)
#7

Dennis

Biere, Deutschland

Das denke ich auch. Deswegen versuchte ich ihr ins Gewissen zu reden, schien auch funktioniert zu haben, sie will das jetzt erstmal nicht tun. Ich werds beobachten... Danke. 


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

#8

Frá Maurice

Toronto, Kanada

Die Corona-Krise sollte man sofort von dem Vorhaben zum Fasten differenzieren. Diese Krise offenbart nicht nur die Unfähigkeit der Politik zu konsequentem und zukunftsorientiertem Agieren, sie offenbart Schwächen am System Menschheit und dessen unmittelbar als Überlebens notwendig erachteten Grundlagen. Das deutsche Krisenmanagement ist derzeit ein Musterbeispiel an politischem Schaulaufen und unzweckmäßigem Aufplustern nicht vorhandener Federn. Aber das ist ein völlig anderes Thema.

Bleiben wir beim "Fasten". Und hier liegt ihr falsch: Fasten liegt fest in den Genen der Sapienstiere verankert. Diese sind von Natur aus nicht darauf ausgerichtet regelmäßig zu essen. Dieses wird zwar von einigen Gesundheitsreligionen versucht irgendwie erneut aus den Tiefen der Sinnesorientierung hervorzulocken, wird jedoch von den wenigsten als das erkannt, was es sein sollte. Native Völker kannten Hunger und Entbehrung noch deutlich mehr und häufiger, als es den Menschen der Jetztzeit gern vor Augen geführt wird, sobald irgendwo Ernteausfälle oder Wetterunbilden ein Land oder auch ein Volk in Schwierigkeiten bringt. Hier erniedrigen sich die Medienvertreter durch populistisch aufgemachte Meldungen immer gravierender und auch widerlicher. Kaum gibt es ein Unwetter, ein Naturereignis, schon keifen die Nachrichtensprecher nach Hilfen, Versorgung und Wiedergutmachung. Ist nach 24 Stunden noch kein Strom wider zur Verfügung, kein Smartphone Betrieb möglich oder gar noch nicht alle "Opfer" geborgen, werden den verantwortlichen Politikern, Behörden, Militärs, ja sogar Ärzten und Nothelfern Unfähigkeit, mangelndes Krisenmanagement und Versagen unterstellt. Sapiens kann seine eigenen Schwächen bestenfalls durch Schuldzuweisungen an Andere überdecken. Schauen wir aber mal genauer hin, auf das was uns viele vermeintliche "Notlagen" von Sapienstieren lehren können. Hier bieten uns die wenigen noch vorhandenen Nativ-Stämme den tiefsten Einblick. Wir müssen die Jäger und Sammler zur Hilfe nehmen: Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs, Übergewicht wird man dort vergeblich suchen, um gern verbreitete Behauptungen zu stützen. Hier sehen wir einen Beweis, das Fasten durchaus sehr positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Natürlich ist das Fasten für diese Menschen gewissermaßen erzwungen. Sie essen wenn sie etwas finden oder erjagen können und fasten - oft tagelang - wenn sich nichts Essbares auffinden lässt. 

#9

Dennis

Biere, Deutschland

Ok, hätt ich jetzt so nicht gedacht. Kann man das denn unseren "verwöhnten Körpern" einfach so antun?


"Überall zeigt sich das Seiende in seiner Struktur von vollendeter Harmonie – das ist Maát."

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