#1
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Im alten Testament wird geschildert, wie die (sündigen) Städte Sodom und Gomorra durch den Zorn "Gottes" zerstört werden. Eine interessante Geschichte, doch ist ihre Zerstörung lediglich Fiktion oder beruht sie auf geschichtlichen Begebenheiten?

Wikipedia schreibt man hätte Sodom und Gomorra bisher noch nicht entdeckt. Stimmt das? Einen weiteren Punkt den ich gerne ansprechen möchte ist die Frage nach dem Grund des göttlichen Gerichts. Ist es, weil die Männer sich untereinander begehrten (wie manche Christen heute noch meinen) oder geht es um die fehlende Gastfreundschaft, die Abraham nicht willkommen hiess?

Ich bin gespannt auf eure Meinung.

#2

Marcain

Himmelpforten, Deutschland

Hallo Jamie,

 

der Grund des göttlichen Gerichts?! Ich denke nicht, dass es deshalb ist, dass die Männer sich begehrten. Nach ich muss gestehe für mich nicht ausreichender Recherche schickte Gott zwei Engel, die zu Gast bei Lot leben sollten. Die Bewohner sahen diese als Fremde an und wollten das lot seine Gäste übergebe, damit die Einwohner gewaltsam mit den beiden Engeln sexuell verkehren können. Wäre es tatsächlich nur aus dem Grund, dass Männer sich gegenseitig begehrt haben, müssten wesentlich mehr Städte den Zorn auf sich gezogen haben. Vor allem ist dies im Tierreich nicht selten

"Sexuell" verkehren wollte das Volk mit diesen Fremden doch wohl eher nicht. Verprügeln oder gleich totschlagen trifft es wohl besser.

 

Aber ich bringe mal meine Version:

Lot war definitiv nicht irgend ein alter Bewohner der Stadt, der gemütlich auf einer Sitzbank am Stadttor saß, als die Fremden kamen.

Das Stadttor im biblischen Sinne war nämlich so etwas wie das Rathaus, oder das Königshaus.

Lot war also ein wichtiger Mann, ich vermute sogar, der Stadtfürst selbst. Allerdings ganz offenbar nicht sehr mächtig, wenn er sich vor den Fremden in den Sand wirft. Anscheinend war er also nur ein Vasallenfürst und die Fremden waren Steuereintreiber der Besatzungsmacht. Den Hinweis liefern die Stadtbewohner selbst, einer nennt einen der Besucher einen "Fremden, der sich als Richter aufspielen will". Mit "Richter" konnten auch "Beamte" gemeint gewesen sein.

Die Stadtbewohner dachten also nicht daran, ihrer Tributpflicht nachzukommen. Daher wurde die ganze Stadt abgefackelt. Allerdings ermöglicht man dem Fürsten mit samt Familie vorher die Flucht. Als Lots Frau die Katastrophe sieht, trifft sie wahrlich der Schlag, sie fällt tot um, oder wie die Bibel lyrisch umschreibt, sie wird zur Salzsäule!

 

#4
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Unbekannt

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Danke für eure Beiträge! Andreas hat Punkte in die diskussion eingebracht über die es sich lohnt nachzudenken. Die Begebenheit, als Lots Frau zu Salzsäule erstarrt ist durchaus interessant. Kann der Tempel auch dazu etwas erklären? Ist diese Erstarrung symbolisch oder wörtlich gemeint. Die Bibel bietet soviel obskures, mich würde nichts mehr wundern...zwingern

#5

- admin -

Sydney, Australien

Vielen Dank für diese Beiträge. Aber diese Geschichte ist gar nicht so einfach zuzuordnen oder zu erklären. Es ist einfach so, dass es schlicht eine erfundene Geschichte der JHWH-Priesterschaft ist, welche auf prähistorischen Mythen basiert. Der Mythos um den Ur-Vater Abraham stammt aus den mündlich überlieferten Texten um die kanaanitische Gottheit EL und ihre Söhne. Zieht man diese historisch heran, müssten diese Texte zu einer Zeit spielen, als Kanaan im Übergang zur Bildung von Stadtstaaten war, also nach der Zeit der ägyptischen Hoheit über dieses Gebiet. Unsere Begründung ist das Treffen von Abraham und Melchisedek, dem legendären, allein in der Bibel erwähnten König von Salem. Salem wird in den christlichen und auch jüdischen Auslegungen mit Jerusalem gleichgesetzt – dieses jedoch taucht als Stadt frühestens in den Salomo-Texten der Bibel auf, während es historisch und in den ägyptischen Texten zur Wende zum 1. Jahrtausend kaum ein unbefestigtes Dorf von 30 – 100 Einwohnern war. Also viele Ungereimtheiten, welche die Erzählungen der frühen Bibel bestenfalls ins Reich der Legenden weisen. Zogen die Vorfahren Abrahams aus Ur nach Haram, so könnte dies im Zuge der Aramäer-Wanderungen nach Norden geschehen sein – also zum Beginn des 2. Jahrtausends. Zu dieser Zeit war Kanaan ägyptisches Gebiet und die Stadtgottheiten, wie El und seine Heerscharen usw. existierten noch nicht. Melchisedek konnte nicht König und Hohepriester dieser Bewegung sein. Man erkennt also, dass hier mehrere Mythen zu einer Erzählung zusammengeschmolzen wurden. Wer der Gott des Abrahams war, welcher Ur verließ, ist nicht bekannt. Der Nomadenanführer „Abraham“, der auf Melchisedek traf, unterwarf sich jedenfalls der Lehre um El (er zahlte dem König von Salem den Zehnten). Dessen Priester zeigten ihre besondere Nähe zu ihrem Gott durch Selbstkastration und zelebrierten recht fantasievolle „Tempelfeste“ mit ausgiebigen sexuellen Ausschweifungen aller Beteiligten – wir sehen in den Karnevalsausschweifungen der römisch-katholisch geprägten germanischen Gebiete Fortsetzungen solcher „Glaubensauswüchse“. Dies war den Ägyptern, welche bis ins erste Jahrtausend die Landesherren über Syro-Palästina waren, ein wahrlicher Gräuel – diese Asiaten hatten deshalb keinerlei Zugang zu den Tempeln der ägyptischen Triade in Jerusalem oder im übrigen Land. Wo jedoch die angeblich vernichteten Städte Sodom und Gomorra liegen sollten, entzieht jeglichem Nachweis – es gibt keine Aufzeichnungen und keinerlei belastbare Funde. Es könnte ein Rest aus einer der Erzählungen über den Untergang minoischer Städte im Feuer von Vulkanausbrüchen sein. In ganz Syro-Palästina, selbst im arabischen Vulkangebiet Midian, dem Missionsgebiet des ATON-Priesters Mose, sind keine durch Vulkaneinfluss untergegangenen Städte nachzuweisen. Der Rest ist der recht regen Fantasie der JHWH Priesterschaft in Babylon zuzurechnen.

 

Frá John Museveni

Ritter des Tempels 

Präzeptur X Kampala


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »- admin -« (18.04.2014, 10:14)
#6
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Unbekannt

Gelöscht

TopHerzlichen Dank für deine Erklärung! Erneut konnte ich durch diesen Text viel neues lernen. Die Erzählung um Sodom und Gomorra hat mich schon früher sehr interessiert.  Über die Gottheit El ist mir noch nicht so viel bekannt, aber zu meiner Zeit als Christ habe ich zumindest von ihr gehört. Nochmals vielen Dank für diesen Beitrag.

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