#1

Jamie

, Schweiz

Eine äusserst dringende Frage an den Tempel beschäftigt mich. Es geht um die sogenannten Nordischen Götter. Ich kenne Odin/Wotan und Thor. Doch wieviele gibt es tatsächlich? Und was ich nicht verstehe: In einem Buch zur Nordischen Mythologie welches mein Vater besitzt sind Schriften über die Schöpfung und anderes vorhanden. Doch soweit ich weiss wurde doch immer gesagt, die Germanen hätten keine Schrift gehabt, also dass die Texte mündlich tradiert wurden? Ihr merkt bestimmt ich habe diesbezüglich einige Wissenslücken. Es interessiert mich vor dem Hintergrund, dass man in unseren Breitengraden mehr wissen sollte über die Götter und Sagen ein Handschlag mit der Vergangenheit.aeg.wink.gif


„Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern“ (Blaise Pascal)

#2

Jamie

, Schweiz

Oh etwas wichtiges müsste ich noch anmerken. In dem Buch Nordische Götter stand, die Götter hätten einen Gott ermordet und daraus die Erde geformt und seine Hirnschale als Himmelsgewölbe genommen. Bei dieser Beschreibung fiel mir ein Text der alten Babylonier ein, dort wurde ebenfalls ein Gott geschlachtet um Erde und Himmel zu formen.

Ist das Zufall oder wurde da bewusst auf ältes Gedankengut zurückgegriffen? Wisst ihr etwas darüber? Danke für eure Geduld mit mir.schocked


„Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern“ (Blaise Pascal)

Jamie,

die nordische Götterwelt als solche ist erst sehr spät schriftlich erfasst worden und viele der heute verbreiteten Mythen entstammen den schriftstellerischen Ideen christlicher Kirchenvertreter. Eine nordische Religion im eigentlichen Sinne hat es nicht gegeben. Viele örtliche Riten und Götternamen wechselten im Laufe der römischen und später frühchristlichen Beeinflussung recht häufig. Der Wiki-Artikel über dieses Thema ist da sehr aussagekräftig. Der teilweise erheblich durch griechische Mythen unterwanderte Einfluss auf diese Göttermythen basiert auf Altägyptischen Quellen, welche sich in den Regionen der Kelten und Germanen bis etwa 2300 B.C. eindeutig belegen lassen. Selbst die keltische Tempelanlage von Stonehenge wurde etwa um 2300 B.C. im Sinne Altägyptischer Vorstellungen umgebaut und neu orientiert. Die häufig im germanischen Umfeld auftauchende Bezeichnung „Tempel“ hat ihren Ursprung ebenfalls aus Ägypten erhalten.


Wenn Wahrheit Menschen beleidigt, dann ist es unsere Aufgabe als Wissenschaftler sie zu beleidigen. [Satoshi Kanazawa]

#4

Jamie

, Schweiz

Nun wird mir einiges klar. Es war mir wichtig mehr über diesen Kulturkreis zu erfahren. Bedauerlich dass nicht, ähnlich wie in Ägypten schriftliche ursprüngliche Zeugnisse verfasst wurden. Aber jetzt wo es angesprochen wurde kann ich mich erinnern irgendwo bereits einmal gehört zu haben christliche Kirchenvertreter hätten Einfluss auf die Mythen genommen. Hm...sehr interessant das Thema. Herzlichen Dank für die Ausführungen bei mir herrschte ein Wirrwarr an Halbwissen zu diesem Bereich.


„Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern“ (Blaise Pascal)

#5

Jamie

, Schweiz

Oh eine Frage hätte ich noch. Der Gott Wotan/Odin war der immer der höchste Gott oder kam diese Vormachtstellung erst in späterer Zeit?


„Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern“ (Blaise Pascal)

Die Bezeichnung Odin ist relativ gesehen sehr jung und stammt aus der nordischen Sprachvariante des Germanischen. Wodan dagegen ist bereits in vorchristlicher Zeit (etwa 50 B.C.) bei einigen Völkern der frühen "germanischen" Völkerwanderung zu finden. Eine einheitliche eventuell sogar stammesübergreifende Volksgottheit ist in den germanischen Völkern nicht zu finden. Aufgrund der in den nordischen Mythen überlieferten Geschichte der Asen und deren deutlich zu erkennende Nähe zu dem griechischen Götterhimmel, dürfte die Vermutung zu rechtfertigen sein, dass diese Göttermythen erst beim Zusammentreffen griechischer (frühindogermanischer), von Ägypten her beeinflusster Kultur, mit germanischen Wanderungsbestrebungen, welche durch den zunehmenden Druck mongolischer Völker entstanden. Hier ist also der frühe Zeitraum der Germanenwanderung zu betrachten. Von besonderer Bedeutung ist hier die wahrscheinlich aus einer, aus dem innerasiatischen Raum des östlichen Kasachstan herausgewanderten indogermanischen Volksgruppe, aus der sich die  Völkergruppen der Goten, Vandalen und Sueben herausbildeten. Diese Völker passten ihre religiösen Vorstellungen jeweils der als überlegen erkannten Kultur, welche ihren Weg kreuzte oder durch Handelsbeziehungen einen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung nahm, an. Daher sind sicher auch die erheblichen Unterschiede in den religiösen Vorstellungen der "Germanen" und ihrer Brudervölker der "Kelten" zu erklären.


Wenn Wahrheit Menschen beleidigt, dann ist es unsere Aufgabe als Wissenschaftler sie zu beleidigen. [Satoshi Kanazawa]

#7

Jamie

, Schweiz

Herzlichen Dank für die Erklärung. Die Beiträge werden Eingang finden in meinem Textband. Schön zu erkennen, wieder etwas dazugelernt zu haben. In früheren Jahren habe ich mich mit Mythen alter Völker zwar auch beschäftigt, aber wenn eine Frage auftauchte konnte ich mich an niemanden wenden, da in meinem Umfeld kompetente Freunde fehlten. Eure Seiten sind mir sehr wichtig hoffe sie bleiben noch lange bestehen.Verwarnung


„Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern“ (Blaise Pascal)

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