#11
Avatar

Bruder Pio

Gast

Die ARD steht nicht im Verdacht ein chinesischer Propagandasender zu sein. Und auch die im Beitrag zu Wort kommenden Wissenschaftler sind keine chinesischen Polit-Kommissare. Der Filmbericht der ARD bietet einen Rückblick auf das Leben in Tibet vor der Befreiung von der Mönchsdiktatur. Und vielleicht fragt sich der eine oder andere Tibet-Aktivist, ob der Dalai Lama wirklich der Richtige ist, wenn es darum geht, die derzeitige Unterdrückung der Tibetaner zu überwinden.

http://daserste.ndr.de/panorama/media/dalailama74.html

Mir ist es egal, wenn meine Eintrag gelöscht wird.Ihr könnt alles von mir löschen. Darum bitte ich.

Jemand der die Mönchspolizei und die Dikatatur der Lamas abstreitet, begeht genauso Unrecht am tibetischen Volk.

Verabschiede mich hiermit von diesem Forum

mit Grüßen

Bruder Pio

Lieber Bruder Pio,

es dürfte auch dir nicht entgangen sein, dass wir die Rückständigkeit des Tibets in den 40erJahren durchaus negativ bewertet haben. Was aber hat das mit dem Gesamtbild der in Tibet vertretenen Religion zutun und dem Streben dieses Volkes nach Freiheit? Was mit dem Leben und Streben des Dalai Lama in der Jetztzeit.

Möchte man hier eine Problematik herbeireden, wünschen, ersehnen, die es tatsächlich nicht gibt. Möchte man den Annektionsbestreben der Chinesen einfach nur durch Blindheit und Verbohrtheit Beihilfe leisten? Was hat das Bestreben der Exiltibeter um eine freiheitliche, demokratische Neuordnung Tibets mit dem Dalai Lama zu tun?

Kritik ist dann erforderlich und erwünscht, wenn diese konstruktiv und fundiert ist. Das öffentlichkeitswirksame Populationsgebaren bestimmter politischer Machenschaften und Strömungen gehört sicher nicht dazu.

Jedem Volk muss  es selbst freistehen welche Staatsform es wählt und genauso welche Religion. Das sind grundlegende und verankerte Menschenrechte. Du selbst hast solche hier des Öfteren propagiert.

Sollten solche nicht auch den Tibetern zustehen?

Wir akzeptieren deine freie Entscheidung und wünschen dir alles Gute!

 


Die Vergangenheit ist nicht tot. Sie ist noch nicht einmal vorbei (Ramses II.).


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Frá Theodor« (07.01.2011, 13:21)
#13
Avatar

Unbekannt

Gelöscht

gelöscht




Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Jamie« (09.03.2011, 16:39)
#14

- admin -

Köln, Deutschland

Mit großem Befremden habe ich den letzten Beitrag von Bruder Pio gelesen. Er unterstellt hier einem Journalistenteam absolute Autorität und Unfehlbarkeit, welches jedoch selbst in Kreisen des Fernsehrates inzwischen stark umstritten ist und zwar so stark, dass dieser von Pio hochgelobte Panoramabeitrag als unschöne Entgleisung aus dem Archiv der Fernsehanstalt gelöscht werden soll. In Zeiten als ein verklärender und verkitschender Film mit dem Titel „7 Jahre in Tibet“ die Kinokassen klingeln ließ, versuchten die Journalisten ein Entgegenwirken, welches in einem regelrechten Feldzug zum Sturze des Dalai Lamas ausartete. Unter völliger Missachtung journalistischer Gepflogenheiten und Grundregeln wurde aus einem Versuch einer Aufklärung der Versuch eines Denkmalsturzes.

Man versuchte hier dem im Kinofilm geschilderten Paradies direkt die mittelalterlich-feudalen Zustände des alten Tibet gegenüberzustellen. Mit Beifall heischenden Sensationskommentaren wie „Tibet, wie es wirklich war. Historische Aufnahmen aus den fünfziger Jahren, als dieser Dalai Lama das Land noch regierte“, verfiel man einem besonderen Missgriff des Sensationspopulismus. Man zeigte eine von Mönchen und Adligen beherrschte archaische Gesellschaft, deren Leibeigene Mehrheit ohne Erlaubnis der jeweiligen Feudalherren kaum den Hof verlassen durfte. Man unterstrich dies mit Bildern des Elends; arme gequälte Kreaturen, unwürdig behandelte Gefangene, Menschen mit ausgestochenen Augen, Fotos von abgeschlagenen Gliedmaßen – ohne Zweifel alles echt – und wieder der ausdrücklich wertende Kommentar: „Tibet, wie es war, als der Dalai Lama in den fünfziger Jahren regierte.“

Hier wurde ein Mann sensationsjournalistisch vorgeführt, der am 17. November 1950 im Alter von 15 Jahren in den Sessel des Dalai Lama gehievt wurde, als die Chinesen bereits vor der Türe standen. Osttibet hatten diese bereits besetzt und in Lhasa marschierten sie am 9. September 1951 ein, also nicht einmal 10 Monate nach der Inthronisierung des Dalai Lama. Ab diesem Zeitpunkt kontrollierten die Chinesen den gesamten Himalaja-Staat. Völlig außer acht blieb in dem Report, dass der 14. Dalai Lama die geschilderten Strafen schon vor der Inthronisierung aufs Schärfste missbilligte, was sich durch diplomatischen Schriftverkehr hinreichend belegen lässt.

Bruder Pio schildert die Annexion Tibets durch die Chinesen als „Befreiung von der Mönchsdiktatur“ und unterschlägt damit die historisch belegte Tatsache, dass unter der Partei- und Militärdiktatur dieser „Befreier“ über Jahrzehnte bis heute und in ganz anderen Dimensionen noch Schlimmeres mit den Tibetern geschah und immer noch geschieht. Sicher kann man damit die grausamen Geschehnisse der alten Gesellschaft nicht relativieren, aber so einfach wie es sich die beiden Sensationsjournalisten im Panoramabericht machten ist die Sache dann nun wirklich nicht.

So wie sie im Bericht das jugendliche Alter und die kurze Regierungszeit des 14. Dalai Lamas bewusst verschwiegen, so unterschlugen sie auch die Tatsache, dass bereits der Vorgänger, der 13. Dalai Lama, im Jahre 1913 in einer Proklamation körperliche Strafen, Verstümmelung und andere Rohheiten  verboten hatte(siehe Shakbpa, Tibet – A Political History, New York 1984, S. 248).

Sicher wurden diese Verbote von der überwiegenden Mehrheit der Adligen einfach ignoriert und solche Reformansätze wurden im alten Tibet wo immer es ging konterkariert, aber eine Verleugnung solcher Bestrebungen ist der Tibet-Geschichte weder dienlich noch sollte eine auf derart primitive Sensationshascherei aufgebaute Berichterstattung irgendwelche Toleranz oder gar Unterstützung finden.

Neben der Missachtung seiner Proklamationen, versäumte man in den dreißiger Jahren in Tibet auch die vom 13. Dalai Lama im Rahmen einer Prophezeiung ausgesprochene Warnung an seine Adligen, nach seinem Tod auf jeden Fall Tibet völkerrechtlich anerkennen zu lassen um heraufziehende Gefahren abzuwenden. Das Ergebnis ist bekannt. Erst als man nicht mehr weiter wusste übertrug man die Verantwortung für Tibet auf einen Minderjährigen.

Dieser junge Mensch hatte schon sehr früh ein ausgeprägtes Gefühl für Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit und versuchte sofort die begonnen Reformen seines Vorgängers neu zu beleben und weitere zu fordern, wie z.B. den Schuldenerlass für alle Fronbauern. Solche Informationen bleibt der Panorama-Beitrag schuldig, . Stattdessen heißt es: „Noch immer beschönigt er (der Dalai Lama) diese Zustände und nährt damit die Verklärung des alten Tibet.“ Zum Beweis zitiert ihn Panorama wie folgt: „Ein armer Tibeter hatte wenig Veranlassung, seinen reichen Gutsherrn zu beneiden oder anzufeinden, denn er wusste, dass jeder die Saat aus seinem früheren Leben erntet. Wir waren schlicht und einfach glücklich.“ Diese differenzierende Erklärung, die auf die Friedfertigkeit vieler Tibeter abhebt und keineswegs impliziert, dass er die alten Strukturen erhaltens- und die damaligen Verhältnisse wiederherstellenswert findet, wird absolut gesetzt und zur Beschönigung der Zustände hochstilisiert. Beim Quellenstudium stellt sich dann auch noch heraus,  dass die beiden zitierten Sätze in Wahrheit gar nicht zusammengehören (siehe Dalai Lama ‚Mein Leben und mein Volk‘, Taschenbuchausgabe München 1968, S. 52/53) Der zweite folgt nämlich nicht unmittelbar auf den ersten, sondern eine halbe Seite später und in einem ganz anderen Zusammenhang. In diesem Stil kann sich jeder beim Dalai Lama bedienen. Was immer jemand zu Tibet sagen will, er findet ein entsprechendes Zitat. Er muss es nur aus dem Kontext, in dem es gefallen ist, herauslösen und im Sinne seiner vorgefassten Meinung interpretieren.  Solche journalistischen Entgleisungen findet man heutzutage in jedem Zusammenhang.

Aber die fragwürdigen Machenschaften gehen noch weiter. Ein Mann bekämpft seit seinem 15. Lebensjahr diese Zustände, erarbeitet einige Jahre später, im Exil eine Verfassung (1963), in der festgeschrieben ist, dass ein selbstbestimmtes Tibet keine Theokratie mehr sein soll, sondern eine Demokratie westlichen Zuschnitts und verkündet später, dass er selbst in diesem freien Tibet der Zukunft keine politische Rolle mehr spielen, sondern als Mönch leben will. Das alles scheint den Journalisten irgendwie entfallen zu sein und sie machen aus ihm einen Reaktionär. Ein fragwürdiges Verfahren.  Man sucht ein Zerrbild aufzuzeigen, indem ein Charismatiker zu einem Dämon herabgewürdigt und öffentlich vernichtet werden sollte. Hier wird nicht journalistische Kritik laut, hier wird verleumdet. Alles was geeignet ist dieses Zerrbild negativ zu festigen wird herbeigezogen, Gegenteiliges oder auch nur Differenzierendes kommt hier nicht vor. Selbst in einem innertibetischen Streit innerhalb seiner eigenen Gelugpa-Schule, stellt man sich bewusst und kritiklos auf die Seite der Gegenspieler des Dalai Lamas, übernimmt einseitig deren Informationen und schlachtet diese schamlos aus.  Den einseitig bewerteten Streit um die Schutzgottheit Shugden haben wir weiter oben bereits behandelt. Der Dalai Lama hatte diesen ausdrücklich als schädlich bewertet und eine Abkehr von einer Verehrung verlangt, welches zu Unruhen in den indischen Klöstern führte. Schon wird dies im Panorama-Bericht ausgenutzt um Forderungen des Dalai Lamas nach Religionsfreiheit und Demokratie als Lippenbekenntnisse zu diffamieren. Die Frage die sich stellt ist doch lediglich, wo werden religiöse Fragen demokratisch entschieden?

Panorama fährt in seiner parteiischen Diktion fort: „Das tibetische Exilparlament, sein demokratisches Aushängeschild, hat nach dem Religionsverbot des Dalai Lama prompt die Verfassung geändert. Bisher hieß es in Artikel 63 der Exilverfassung – Zitat: Der vorsitzende Richter des Gerichtshofes und die beiden Geschworenen sollen Tibeter sein, jetzt wurde hinzugefügt: und außerdem nicht an die Gottheit Shugden glauben.“

Das Office of Tibet, die Repräsentanz des Dalai Lama in Genf, bezeichnet dies als „frei erfunden“: „Eine solche Änderung des Artikels 63 der Verfassung hat es nie gegeben.“ Aussage gegen Aussage – allerdings erst nach der Sendung; im Film kommt die Exilregierung weder zu Wort noch wird ihre Stellungnahme erwähnt. Man kann sie ja in Zweifel ziehen, aber man muss sie einholen und zur Kenntnis bringen. Das ist bei so gravierenden Vorwürfen nicht nur eine Frage der Fairness, sondern des Anstands.  Jeder Interessierte kann sich in tibetisch orientierten Schulen in Deutschland selbst über den Inhalt informieren

Panorama setzt statt dessen noch eins drauf: „Die Berufsverbote gelten für alle Shugden-Anhänger, vom Minister bis zur Krankenschwester..“ Die Exilregierung dementiert auch dies. Wiederum nichts davon in der Sendung? Auch keine Erwähnung der Resolution des tibetischen Parlaments vom 6. Juni 1996, in der es zu den Meldungen über Arbeitsplatzverluste von Shugden-Anhängern heißt: „Sollte es je zu einem solchen Fall kommen, dann sei hiermit festgestellt, dass dies weder der Wunsch Seiner Heiligkeit des Dalai Lama noch die Politik der tibetischen Administration ist. Wir appellieren an alle Organisationen und Individuen sicherzustellen, dass so etwas nicht Platz greift.“

Dass manchmal beiderseits überreagiert wurde, ist bekannt. Ein so aufgeheiztes Klima fördert Misstrauen, Verdächtigungen und Denunziantentum. Und Tibeter sind keine Sonderexemplare der Spezies Mensch. Bestimmte Situationen bringen in ihrer Gesellschaft die gleichen Idiotismen hervor wie überall auf der Welt.

In der Shugden-Kontroverse blieb es leider nicht bei Idiotismen. Drei Morde sind zu beklagen. Auch Panorama weckt den anschein –  allerdings anonym. Obwohl die Opfer bekannt sind, werden diese bewusst nicht erwähnt. Angesichts der Anti-Dalai-Lama Tendenz der Sendung muss der hier unvollständig informierte und bewusst verleitete Zuschauer folgern, dass es sich bei den Umgebrachten um Shugden-Anhänger gehandelt hat.

Ermordet wurden jedoch am 4. Februar 1997 in Dharamsala der Dialektik-Lehrer Geshe Lobsang Gyatso, bekannt als einer der schärfsten Shugden-Kritiker und mit ihm zwei seiner Mönchsstudenten. Von sechs Verdächtigen, die nach Erkenntnissen der indischen Polizei zum Umfeld der Shugden-Anhänger in Delhi gehören und mangels stichhaltiger Beweise auf freien Fuß gesetzt wurden, sollen sich zwei ins Ausland abgesetzt haben. Wer immer den Mord begangen hat, kann sich im Machtbereich der Chinesen am sichersten fühlen. Denn für die ist es ein Geschenk des Himmels, wenn sich die Tibeter selbst zerfleischen und ein Teil von ihnen die Position des Dalai Lama in Frage stellt. Auch der erhält seit geraumer Zeit Morddrohungen. Die indische Regierung sieht sich Anfang 1997 veranlasst, den Polizeischutz für ihn zu verstärken.

Warum muss man bei Panorama auch nur andeutungsweise alles vermissen, was den Hintergrund transparent machen könnte oder ein wenig wirkliche Aufklärung zu bringen geeignet wäre? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Ziel der Autoren nicht sachliche Information war, sondern Demontage des Dalai Lama, Sensationsjournalismus schlimmster Art..

Das Panorama-Stück war dergestalt unsachlich und unredlich, dass man sich fragt, wie es in dieser Form überhaupt die Abnahme passieren konnte. Das betrifft nicht die Themenstellung und das Benennen kritischer Punkte, sondern die Einäugigkeit und die daraus resultierende Unvollständigkeit der Information und vor allem die naiv dümmliche Borniertheit des Kommentars. Bei einer so zugespitzten Polemik hätten kompetente Verteidiger der Betroffenen nicht fehlen dürfen. Es gab sie nicht in der Sendung.

In der Schlussmoderation erdreistet sich Patricia Schlesinger lakonisch zu äußern: „Ein Interview wollte der Dalai Lama uns nicht geben.“ Ja gab es denn niemanden, der sich statt seiner und für ihn kompetent hätte äußern können? Nach Auskünften der Exilregierung waren solche Leute bereit und autorisiert. Allein für Panorama  musste es der Dalai Lama sein, er oder niemand.

Dieser Film war nur geeignet unter typischen Buddhismus-,Tibet-, und Dalai Lama Kritikern eine gewisse Zustimmung und Begeisterung zu wecken, Menschen mit einer gewissen intellektuellen Aufgeschlossenheit und einem begründeten und gefestigten politischen Interesse wurden hier desinformiert. Der Fernsehrat könnte hier zumindest einmal Kompetenz und Sachverstand zeigen und diesen Missgriff einer Berichterstattung auf den Index setzen.

 

Frá Ming Bao Li

Komtur des Tempels

 


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »- admin -« (14.02.2011, 17:58)
876 Aufrufe | 14 Beiträge