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Köln, Deutschland

Als die Menschen nach Australien einfielen, hatten sie die Legenden ihrer Vergangenheit, der sogenannten Traumzeit lange schon als religiöse Mythen in ihr Leben integriert. Diese jedoch waren nicht in Australien entstanden, sondern sind das Ergebnis ihrer langen Wanderung von Afrika nach Australien. Hierbei muss auch berücksichtigt werden, dass es nicht ein Volk war, welches diese Mythen nach Australien trug, sondern mindestens 412, welche 38 verschiedenen Sprachgruppen zuzuordnen sind. Die Traumzeitmythen sind also eine Melange verschiedener alt-steinzeitlicher Religionsvorstellungen, welche sich in 74.000 Jahren entwickelten und selbst innerhalb von annähernd 40.000 Jahren in Australien nicht zu einer wirklichen Einheit zusammenwachsen konnten. Ohne jeden Zweifel sind Menschen, deren Entwicklung auf steinzeitlichem Niveau hängen blieb, noch in der glücklichen Lage, ihren religiösen Vorstellungen so viel spirituellen Inhalt  zu geben, wie es ihrer Entwicklungsstufe entsprechend, für sie selbst am Vorteilhaftesten ist. Und es dürfte auch zweifelsfrei feststehen, dass diese Vorstellungen noch eine relative Nähe zur Natur aufweisen und die Erkenntnis der göttlichen Durchdringung von Natur und Existenz, dem Sein, an sich vermitteln konnten , welche in der Jetztzeit völlig verloren ging. Verbunden mit dieser Naturnähe ist natürlich auch ein tief verwurzelter Glaube, dass man sich Gott nähern kann oder gar nah sein kann, indem man nach den überlieferten Riten handelt und sich an den nach natürlichen Begebenheiten erwählten heiligen Orten aufhält. Von solchen Gedanken, Vorstellungen und Behauptungen, muss man sich jedoch völlig lösen. Sich Gott nahen ist dem Menschen nicht gegeben, es sei Gott selbst geht den ersten Schritt. Aber damit soll die tief verwurzelte Religiosität der australischen Urbewohner nicht abgewertet werden. Jede Religion hat ihre eigene Seite einer Wahrheit, welche zumindest aus ihrer jeweiligen Sicht einige der Wahrheiten des großen Weges beinhalten, der letztendlich zum sich vereinigenden neuen Weltbild führen wird.

Eines darf man bei einer allzu mystischen Verklärung der australischen Traumzeitmythen auch niemals aus den Augen verlieren. Die verschiedensten Legenden aus diesen Mythen wurden in Australien selbst entwickelt. Nicht etwa in Erinnerung an glückliche Tage der Vergangenheit, sondern an Geschehnisse, welche  die Existenz der eingewanderten Völker immer wieder in ernste Gefahr brachte. Die günstigen Lebensbedingungen in diesen „neuen“ Kontinent führten dazu, dass sich einige der zugewanderten Stämme in unverantwortlichem Ausmaß vermehrten und durch ihre ruinösen Jagdmethoden die gesamte Evolution des Erdteils in Gefahr brachten.  Innerhalb weniger Jahrhunderte wurde so, insbesondere durch die ausgeführten Brandjagden, die gesamte Vegetation verändert und große Teile der Lebewesen ausgerottet. Australien war zu einem  großen Teil mit Regenwald bedeckt und überwiegend subtropisch geprägt  als der Mensch dort einfiel – nach wenigen Jahrhunderten waren große Teile des Kontinents verwüstet. Dies wurde durch das Ende der Eiszeit zusätzlich beschleunigt und damit spätestens seit dem 12. Jahrtausend unumkehrbar. Die großen Wüsten und die vielen Salzseen im Binnenland sind also die Auswirkungen menschlichen Handelns. Für die Evolution war die späte Traumzeit der australischen Ureinwohner der Anfang vom Ende.

Frá Maximilian v. Brentano

Ritter des Tempels


 - Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen -

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