#1

PCMTH international

Brisbane, Australien

Der Weg der Apokalypse

Das Scheitern der westlichen Wertegemeinschaft – das Ende der Demokratie! ©PCMTH 2011

Betrachtet man aus einer gewissen vorbehaltlosen Distanz die Politik der Moderne, so erkennt man darin ein weiteres Kapitel der Religionsgeschichte der Menschheit. Die prägenden revolutionären Umbrüche der letzten beiden Jahrhunderte waren Episoden der Glaubensgeschichte, in denen wir neben dem nicht enden wollenden Zerfall des Christentums, den Aufstieg neuer politischer Religionen erfuhren. Schauen wir auf die Welt zur Jahrtausendwende, erkennen wir ein Trümmerfeld utopischer politischer Projekte, die sich zwar säkular nach außen gaben, in Wirklichkeit aber von religiösen Mythen getragen waren.

Alle neuen politischen Religionen, wie der Kommunismus und der Nationalsozialismus wurden als Ergebnis wissenschaftlicher Erkenntnisse propagiert, welche sich als reine Pseudowissenschaft selbst disqualifizierten. Wer aber erwartete, dass mit dem Ende der Sowjetunion und dem damit verbundenen Ende des Totalitarismus, pseudowissenschaftliche Begründungen für politische Ideen ein Ende fanden, der wurde schwer enttäuscht, denn die neokonservativen Theorien setzten diese fort. Untersucht man diese, dann erkennt man in ihnen eine Entwicklung der gesamten Welt in ein und dieselbe Regierungsform und ein und dieselbe Wirtschaftsordnung – eine universelle Demokratie und einen globalen freien Markt. Der Millenniumwechsel wird sozialwissenschaftlich als Beginn einer neuen Ära verklärt, in der wir jedoch nichts als neue Spielarten apokalyptischer Anschauungen erkennen können, die bis in die Gründerzeit des Christentums zurückreichen.  Selbst Jesus und seine nächsten Vertrauten waren davon überzeugt, dass sie in einer Endzeit lebten, nach deren Ablauf alles Leid und Elend auf der Welt, Entbehrung und Hunger, Krieg und Unterdrückung, selbst Krankheit und Tod durch göttlichen Eingriff aufgehoben würden. Man erwartete eine welterschütternde Schlacht zwischen den Mächten des Bösen und des Guten, in welcher das Böse endgültig vernichtet würde. Dieser naiv abgehobene Glaube beseelte die ersten Christen und ergriff durchaus größere jüdische Gemeinden. Als nach mehreren Jahrhunderten immer noch kein Ende der für Christen ungeliebten Realität abzusehen war, deuteten frühe christliche Denker und Lehrer die Endzeitprophezeiungen in ein Gleichnis für einen erforderlichen inneren Wandel um, doch die apokalyptisch-visionäre Vorstellungswelt hat sich bis in die Jetztzeit gehalten.

Im Mittelalter erblühten in Europa Massenbewegungen welche die Überzeugung verbreiteten, das Ende der Geschichte und die Geburt einer neuen Welt stünden unmittelbar bevor. Diese neue Welt jedoch konnte nach der damaligen Vorstellung nur Gott allein bewirken. Mit dem Schwinden des christlichen Einflusses wurden die Vorstellungen von einer Endzeit zunehmend von politischen Bewegungen übernommen, die Hoffnung gewann zusehends an Militanz. Revolutionäre Bewegungen wie die Jakobiner oder die Bolschewiken verabscheuten jegliche traditionelle Religion. Ihre Überzeugung jedoch, sie könnten in einer allumfassenden Umwälzung das gesamte menschliche Leben von den Fehlern und Verbrechen der Vergangenheit befreien, war nichts als eine säkulare Neuauflage frühchristlicher Ideen. Zwar wollten diese Revolutionäre, die sich als radikale Aufklärer verstanden sehen wollten, eine wissenschaftliche Weltsicht an Stelle von Religion stellen, doch ihr „Glaube“ an die Möglichkeit eines plötzlichen Umschwunges in der Geschichte der Menschen, der alle Fehler der Gesellschaft für alle Zeiten behebt, hat seine Wurzeln im apokalyptischen Christentum.

Die Ideologien der Aufklärung bestanden zum großen Teil aus einer verfremdeten ins Gegenteil verkehrten Theologie. Der von linientreuen Vertretern der Rechten und der Linken gern propagierte rein säkular geprägte Fortschritt, ist ein Trugbild. Die Machtergreifung der Bolschewiken oder der Nationalsozialisten gründete ebenso in einem Glaubenssystem wie die theokratische Revolution des Ayatollah Khomeini im Iran. Die bloße Vorstellung von Revolutionen als Ereignisse, die den Lauf der Geschichte verändern, ist im Kern religiös. Moderne Revolutionen und revolutionäre Bewegungen sind nichts als Fortsetzung von Religion mit anderen Mitteln. Selbst liberal denkende Humanisten, die der irrigen Annahme verfallen sind, die Menschheit entwickle sich in einem mühsamen Prozess schrittweise immer weiter, folgen nichts als säkularisierten Ideen religiöser Überzeugungen. Fortschrittstheorien haben nichts mit Wissenschaft zu tun, ob sie nun einen allmählichen Wandel oder einen revolutionären Umbruch vorhersagen. Sie sind nichts als Mythen, die dem menschlichen Sinnbedürfnis entgegenkommen.

Seit der französischen Revolution hat sich das gesamte politische Klima verändert – schaut man genauer hin, so erkennt man jedoch nichts weiter, als rein utopistische Bewegungen und Strömungen, die ganze Gesellschaftssysteme auslöschten, ohne einen wirklichen positiven Wandel zu erreichen. Ohne Zweifel ist die Welt ein andere geworden, die propagierten wundersamen Verwandlungen aller utopistischen Denker blieben aus und zumeist wurde genau das Gegenteil dessen erreicht, was ursprünglich angestrebt war. Und dennoch hat die Welt nichts daraus gelernt und weiterhin werden utopistische Projekte erdacht und in Angriff genommen. Die  utopistischen Projekte der Jetztzeit spiegeln religiöse Mythen des Mittelalters wider, an denen sich Massenbewegungen berauschten, und sie entfesseln vergleichbare Arten von Gewalt. Der säkulare Terror der Moderne ist eine Abart der Gewalt, von der das Christentum und auch der Islam in ihrer gesamten Geschichte durchdrungen sind. Frühchristlicher Glaube, der auch seine Spuren im Islam hinterlassen hat, nach dem das von Gott herbeigeführte Ende der Zeiten bevorstehe, wurde in der Neuzeit in Gestalt der Überzeugung, der Mensch könne Utopien durch sein Handeln Wirklichkeit werden lassen neu definiert. Jedoch wurde mit dieser Neudefinition auch eine im wissenschaftlichen Glauben gründende neue Form der Gewalt geschaffen.

Der Irrglauben der westlichen Welt ihre Gesellschaftsform der Demokratie in den Nahen Osten und die Gesamte Welt exportieren zu können ist auf den Straßen des Irak im Blutbad untergegangen. Das utopische Denken hat eine schwere Niederlage erlitten und doch werden nach wie vor Politik und Krieg als Instrumente eingesetzt, längst überholte und vergessen geglaubte mythische Vorstellungen, in säkularer Aufmachung, als primitive neue Religionen zu verherrlichen. Religion erstarkt weltweit, in neuer, oft bedenklicher Form. Dieses Wiedererstarken hängt aber unmittelbar mit politischen Konflikten zusammen und Religion wird im Hinblick auf die dramatisch schrumpfenden Ressourcen und die sich abzeichnenden Klimaveränderungen erneut zu politischer und gesellschaftlicher Macht aufsteigen und zu einem bestimmenden Faktor in der Weltpolitik werden.

Frá John Freemont Stiller

Komtur des Tempels


Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal bearbeitet, zuletzt von »- admin -« (13.02.2013, 09:35)
487 Aufrufe | 1 Beiträge